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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Kaufkraft für eine bessere Welt

von Wolfgang Kessler vom 24.10.2014
Nach langem Zögern stellen immer mehr Kommunen und Kirchengemeinden ihren Einkauf nach sozialen und ökologischen Kriterien um. Wird daraus eine Bewegung, bietet sie eine große Chance für eine gerechtere Weltwirtschaft

Kinder schlagen Pflastersteine für unsere Marktplätze. Tausend Arbeiter sterben beim Einsturz einer Fabrik in Bangladesch, in der auch für uns Kleider genäht werden. Tagelöhner pflücken auf Plantagen Kaffee. Und noch immer lassen wir für unseren Papierverbrauch täglich Tausende Bäume fällen. So sieht es aus, das hässliche Gesicht der Globalisierung.

Das ist die schlechte Nachricht. Doch es gibt auch eine gute: Immer mehr Verbraucher schauen nach fair gehandelten Waren, nach Produkten mit Öko-Siegel und sparen Ressourcen. Noch ist die Marktmacht des bewussten Konsums gering. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. Denn auch bei den Verantwortlichen in den Kommunen und in den Kirchen wächst das Bewusstsein für die globalen Folgen ihrer Einkaufspolitik. Und viele stellen ihre »Beschaffung«, wie der Einkauf von Institutionen genannt wird, nach ökologischen und sozial gerechten Kriterien um.

Darin steckt eine große Perspektive. Immerhin kaufen Bund, Länder und Gemeinden in Deutschland jedes Jahr für knapp 400 Milliarden Euro ein, die christlichen Kirchen für rund 60 Milliarden. Die Palette ihrer Produkte reicht von Baustoffen über Büromaterialien und Dienstkleidung bis hin zu Waren des täglichen Bedarfs wie Kaffee, Tee oder anderen Lebensmitteln.

Noch bis zur Jahrtausendwende war auch für die Einkäufer in Kommunen und Kirchen Geiz geil: Der billigste Anbieter kam zum Zuge. Den Kommunen war dies sogar gesetzlich vorgeschrieben. Doch dann änderte sich das Denken, und die kritischen Fragen an die Einkaufspolitik nahmen zu: Wollen wir wirklich Pflastersteine aus Kinderhand für unsere Marktplätze? Unter welchen Bedingungen wird die Dienstkleidung im Krankenhaus und bei der Feuerwehr genäht? Wie gehen wir mit knapper Energie um? Woher stammen Kaffee, Tee und die Lebensmittel in unseren Kantinen?

Die Städte: Wie geil ist Geiz?

Noch immer sind die Kommunen und die Kirchen weit entfernt davon, ihre Marktmacht konsequent für Menschenrechte, faire Arbeitsbedingungen und umweltgerechte Produkte einzusetzen. Dennoch hat sich in den vergangenen zehn Jahren einiges getan. Im April 2003 verabschiedeten die Münchner Stadtoberen »Beschaffungskriterien gegen ausbeuterische Kinderarbeit« – eine Pionierleistung. Im Jahr 2006 beschlossen Neuss und Düsseldorf, dass nur Dienstkleidung eingekauft werden darf, die unter Be achtung der Ker

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