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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2014
Wie mich mein Glaube trägt
Von Menschen, die Gott suchen
Der Inhalt:

Freiheit, Fisch und Phosphor

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 24.10.2014
Seit einigen Wochen gibt es ein neues Fischereiabkommen zwischen der EU und Marokko. Damit trägt Europa Mitverantwortung für die vergessenen Menschen der Westsahara

Sie haben Minen, Granaten und Sprengsätze benutzt, um die Häuser niederzureißen und die Kamelherden umzubringen. Sie haben die Palmen verbrannt, die in der Wüste als Lebensbaum gelten. Den 800 Menschen mit ihren Ziegen und Schafen blieb nur die Flucht.« Diese Worte schrieb 1991 eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation medico international über den Angriff Marokkos auf das Dorf Bir Lehlou in Westsahara. Verbessert hat sich die Lage seitdem nicht.

Westsahara ist ein Staat, doch von seiner Existenz wissen die Wenigsten. Es ist ein Staat ohne Land, mit einer Exilregierung und einigen Hunderttausend Wüstenbewohnern, die zum großen Teil in Flüchtlingslagern in Algerien und Mauretanien leben. Und das seit fast vierzig Jahren. Nachdem die Spanier als Kolonialherren 1975 abgezogen waren, annektierte Marokko das kleine Nachbarland Westsahara. Das war völkerrechtswidrig, und kein Staat erkennt dies an. Doch für Westsahara interessiert sich die Welt trotzdem nicht. Die Saharauis, die Bewohner Westsaharas, sind überwiegend friedlich. Aber wer keine Bomben wirft, Selbstmordanschläge verübt oder ein Kalifat ausruft, schafft es selten in die abendlichen Nachrichten. So bleibt Westsahara ein vergessenes Land, und die Hilferufe der Menschen verhallen ungehört. Ihre Hoffnung auf Unterstützung aus Europa stirbt irgendwo unterwegs auf dem Weg von der Wüste übers Mittelmeer.

Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Marokko hingegen sind eng. Vor einigen Wochen ist ein neues Fischereiabkommen in Kraft getreten. Jahrelang war darum gerungen worden, und die EU-Fischereipolitik wurde auf Druck des Europäischen Parlaments reformiert. Zukünftig wird Fischerei nicht nur nachhaltig sein, sondern auch Menschenrechte beachten – zumindest auf dem Papier. Was hat das mit den Saharauis zu tun? Die Küste Westsaharas wird von Marokko kontrolliert. Sie zählt zu den fangreichsten Fischgründen Westafrikas. Daran ist auch die EU interessiert, denn europäische Gewässer sind längst überfischt. Der Deal: Europa zahlt Millionen an Marokko, damit Flotten aus EU-Mitgliedsstaaten dort fischen dürfen. Dass das völkerrechtswidrig ist, weil das Gebiet eigentlich den Saharauis gehört, wird zur Nebensächlichkeit.

Bodenschätze und Beziehungen

Westsahara ist nicht nur wegen seiner Fischbestände interessant für Europa. Das kleine Land verfügt auc

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