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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

»Man muss Idealist sein«

Bio ist entgegen aller aktuellen Einwände besser. Davon ist Peter Stadler überzeugt. Deshalb ist der einstige Vollgas-Landwirt Bio-Bauer geworden. Protokoll einer schwierigen Umstellung

Das Schild muss weg. Landwirt Peter Stadler setzt den Schraubenzieher an. Mit der vierten Schraube fällt das orange Kunststoff-Schild von der Stallwand herunter. »Wertvoller Tierbestand. Betreten verboten« steht darauf. Das Schild sollte Fremde von seinem Kuhstall fernhalten. Doch das will Peter Stadler jetzt nicht mehr. »Die Leute sollen sehen, woher ihre Milch kommt, die sie sich morgens in den Kaffee schütten.«

In der Landwirtschaft geschieht zu viel hinter verschlossenen Türen, davon ist der Landwirt im mittelfränkischen Patersholz überzeugt: Antibiotika für Kühe, rein vorsorglich, Soja-Kraftfutter aus Übersee. Ganz zu schweigen von all dem Gift, das im Kampf gegen Schädlinge und Unkraut auf den Feldern landet. Stadler will das nicht mehr mitmachen. Er will Bio-Landwirt werden. Tags zuvor hat er seinen Namen unter den Vertrag mit dem Demeter-Verband gesetzt. Es ist der18. Januar 2010.

An diesem Tag beginnen die vorgeschriebenen zweieinhalb Jahre der Umstellung. Wie schwierig diese Zeit noch werden würde, ahnt er nicht. Klar ist: Ab sofort wirft Bauer Stadler keinen Kunstdünger mehr auf Kleegraswiesen und Wintergerstenfelder. Er verzichtet auf chemische Unkraut- und Schädlingsbekämpfung. Die Kühe bekommen jetzt nur noch das, was auf Stadlers eigenen Feldern wächst. Das alles bedeutet mehr Arbeit und weniger Ertrag. Ob er finanziell über die Runden kommen wird? So genau hat er das nicht ausgerechnet. Doch im Januar 2010 ist der Mann mit dem schmalen Gesicht und der feinen goldenen Brille einfach froh, den Schritt endlich getan zu haben. »Wir haben keine Kinder, für die wir sorgen müssen. Wenn wir es nicht wagen, wer dann?« So sieht es auch Kerstin Stadler, seine Frau. Die