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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Lutherpreis für Pussy Riot?

Die Stadt Wittenberg nominiert die Punk-Band »Pussy Riot« für den Lutherpreis – und erntet Widerspruch. War der schrille Protest gegen Putin in einer Moskauer Kathedrale Anfang 2012 ein Sakrileg? Oder ganz im Sinne Martin Luthers? Ein Pro und Contra

Werner Schulz: »Diese Aktion war ganz im Sinne Luthers«

»Ich finde es sehr gut, dass Pussy Riot möglicherweise den Preis bekommen soll. Und ich spüre bei den Ablehnern viel Unwissen. Sie kritisieren die vorgeschlagene Auszeichnung nur aufgrund von flüchtigen Eindrücken. Man muss, um die Frauen zu verstehen, das Umfeld betrachten.

Es war ein Punk-Gebet, ein Stoßgebet, mit dem alles begann. Das ist nicht neu in der russisch-orthodoxen Kirche. Man hat sich da schon immer an die Gottesmutter gewandt, um das Böse zu vertreiben. Das war in den Zeiten der schrecklichen Zarenherrschaft so. Oder auch nach der Oktoberrevolution, als die Bolschewiki Klöster und Kirchen geplündert haben. Das umstrittene Stoßgebet ist also nichts Ungewöhnliches, das folgt einer Tradition.

Dass es schrill war, hängt damit zusammen, dass die Frauen Aufmerksamkeit erzielen wollten. Es ist einfach auch eine Kunst, so etwas zu schaffen, und das ist ihnen gelungen. Die Welt hat mehr auf die Zustände in Russland geschaut als bei den Journalistenmorden und den Demonstrationen. Man hat übrigens auch durch den Prozess gegen die Frauen den Zustand dieser Willkürjustiz gesehen.

Die Gruppe hat sich vor nicht allzu langer Zeit gegründet, als Putin und Medwedew ihre zynische Macht-Rochade vollzogen und die Enttäuschung darüber viele junge Menschen auf die Straße getrieben hat. Die Band hat diesen Protest der Straße »Russland ohne Putin« in die Kirche getragen. Und die Sängerinnen haben den alltäglichen männlichen Sexismus angegriffen, indem sie selbstbewusst ihr Geschlechtsorgan im Namen erwähnt haben. Wem das suspekt erscheint wie Friedrich Schorlemmer und