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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

»Leben gegen diese Todesangst«

von Bettina Röder vom 26.10.2012
Ali Jen Haidari (19) ist aus Afghanistan geflohen. Jetzt campiert er mit anderen auf dem Berliner Oranienplatz für ein Bleiberecht

Ich komme aus Ghazni. Die Stadt ist eine Stunde von Kabul entfernt. Ich bin 19 und habe dort mit meinem Vater als Schneider gearbeitet. Hier in Berlin würde ich auch gern arbeiten, Taschen, Kleider und Jacken nähen. Oder ein Praktikum machen. Oder eine Schule besuchen. Aber das alles darf ich nicht. Ich bin geduldeter Asylbewerber, meine Abschiebung ist nur ausgesetzt. In vier Monaten muss ich mich wieder bei der Ausländerbehörde melden. Dann habe ich wieder diese Todesangst, dass meine Duldung nicht verlängert wird. Denn in meiner Heimat gibt es viel Krieg: von der US-Armee, den Taliban, der Polizei. Viele Menschen besitzen Waffen. Jeden Tag, jede Nacht hatte ich Angst, getötet zu werden.

Nun bin ich – wie auch alle meine Geschwister – geflohen. Ich lebe seit eineinhalb Jahren in Deutschland. Im Asylbewerberheim am Berliner Kaiserdamm waren sie sehr freundlich. Aber ich musste mit drei Flüchtlingen ein winzig kleines Zimmer teilen. Es war voll von unseren vier Schlafmatratzen. Ich konnte mich kaum bewegen. Darum lebe ich seit drei Monaten in einem Zelt. Erst am Görlitzer Bahnhof und nun hier auf dem Oranienplatz. Mit vielen anderen Flüchtlingen, die aus anderen Städten hierhergekommen sind, weil sie auf ihr schweres Leben und ihre Angst aufmerksam machen wollen. Es sind etwa hundert Menschen.

Wie lange ich hier bleiben kann, weiß ich nicht. Es ist nachts schon sehr kalt. Hier, schauen Sie: 15 Matratzen liegen auf dem Boden in meinem Zelt! Ich kann mich hier drin nur auf den Boden setzen. Darum muss ich immer etwas machen. Aber ich habe zum Glück viele Freunde hier. Wir haben auch schon mit vielen anderen Menschen demonstriert. Ich finde diese ganze Bewegung gut. Sie macht mir Hoffnung. Alle, die hier sind, können ohne Angst und Stress miteinander sprechen.

Wovon ich selbst in Deutschland träume? Wenn ich daran denke, dann wird mein Herz ganz schwer. Darum sage ich Ihnen lieber, warum wir in diesem Protest-Camp leben: Weil wir immer Angst haben, abgeschoben zu werden und keine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Wir sind auch hier, weil es diese Residenzpflicht gibt und wir Berlin und Brandenburg nur verlassen dürfen, wenn es die Ausländerbehörde erlaubt. Wissen Sie, den meisten geht es sehr schlecht. Wir bekommen Essenspakete, aber viele haben kein Geld, um mal in ein Café zu gehen oder eine Zigarette zu rauchen. Was ich noch gern machen würde? Sport in einem Vere

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