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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2012
Hoffen und Widerstehen
Konziliare Versammlung: Reformchristen suchen einen neuen Aufbruch
Der Inhalt:

Auf dem falschen Gleis

Was ist eine Umfrage der Arbeitsagentur über Arbeitslose wert?

Umfragen sind bekanntlich nicht der Weisheit letzter Schluss. Ein Körnchen Wahrheit haben sie dennoch. Und das kann bitter sein. So auch jüngst, als eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit bekannt wurde. 55 Prozent der Deutschen, so hieß es da, vermuten, Bezieher von Arbeitslosengeld II würden nicht aktiv nach einer Anstellung suchen. 57 Prozent glaubten, Empfänger von Hartz IV seien schlecht qualifiziert.

Was die Menschen hierzulande wirklich glauben, wird durch eine solche Umfrage nur lückenhaft zu ermitteln sein. Und dass es Missbrauch von Hartz IV gibt, ist ebenso wahr wie die Kehrseite. Etwa in den Hochburgen der Arbeitslosigkeit wie dem brandenburgischen Eisenhüttenstadt. Wer dort Menschen hat weinen sehen, weil sie nicht länger für einen Ein-Euro-Job angestellt wurden, wird demütig und still.

Da war es nur recht und billig, dass Heinrich Alt vom Vorstand der Agentur, den Vorurteilen widersprach: Demnach sagen 75 Prozent der Hartz-IV-Empfänger, dass Arbeit das wichtigste in ihrem Leben sei. Zwei Drittel haben in den letzten vier Wochen nach Arbeit gesucht, 71 Prozent würden eine Arbeit annehmen, für die sie überqualifiziert sind. Spätestens hier wird deutlich: Umfragen wie diese bringen nicht viel. Die Entsolidarisierung mit den Ärmsten werden sie nicht aufhalten. Im Gegenteil.

Da wäre es hilfreich, andere Umfragen zu starten: Etwa, was die Bundesbürger von Hartz IV halten. Vor allem dort, wo es zu wenige Arbeitsplätze gibt. Oder ob die Hartz-IV-Sätze dem Grundrecht auf ein menschenwürdiges Existenzminimum genügen. Was die Menschen von einer Politik halten, die Banken für systemrelevant erklärt und die Arme