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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2011
Ökofalle Internet
Wie das weltweite Netz die Umwelt bedroht
Der Inhalt:

Wir sind 99 Prozent

von Barbara Jentzsch vom 04.05.2012
Ein Prozent reiche Amerikaner sollen nicht mehr die Politik bestimmen. Die Occupy-Wall-Street-Aktivisten könnten der Kern einer neuen Protestbewegung sein, der sich immer mehr Menschen anschließen. Sie kündigen einen heißen Herbst an

Hat der Arabische Frühling einen heißen Amerikanischen Herbst inspiriert? Es sieht ganz so aus. Wird Barack Obama der Spagat gelingen, sich sowohl die Wall-Street-Besetzer als auch die Wall-Street-Profiteure warmzuhalten? Wahrscheinlich nicht.

Im Süden von Manhattan, einen Steinwurf vom Hauptquartier der US-Finanzindustrie, rebelliert seit dem 17. September die »Occupy-Wall-Street«-Bewegung. Eine gewaltfreie, bunte, anfangs überwiegend junge und fröhliche Truppe, die es jedoch todernst meint, wenn sie den Krisen-Gewinnlern und korrupten Wall-Street-Bankstern den Kampf ansagt. »Wir werden nicht wieder verschwinden«, verspricht Anthony Steward (20), ein Student der Binghamton Universität, »wir sind ein kleiner Teil eines großen, langfristigen Projektes«. Die Movement-Forscherin Frances Fox Piven: »Ich habe schon lange auf eine Protestbewegung gewartet, die junge Leute, die Arbeiterklasse, Minderheiten und die Armen auf die Straße bringt. Ich glaube, diese Bewegung formiert sich jetzt.«

Das »Formieren« ist oft ein langwieriger Prozess. Basisdemokratie nichts für Ungeduldige. »Occupy Wall Street« bezeichnet sich auf seiner Website als hierarchielose Widerstandsbewegung. Sie vergleicht sich ausdrücklich mit Antiregierungsprotesten in Ägypten, Spanien und anderswo und hat sich viel vorgenommen: vorrangig »die Wiederherstellung der amerikanischen Demokratie durch Massenbesetzung nach dem Muster der revolutionären Taktik im Arabischen Frühling«. Wer sich darunter nicht so recht etwas vorstellen kann, dem hilft die erste Ausgabe des gedruckten Occupied Wall Street Journal auf die Sprünge. Da heißt es selbstbewusst: »Was in diesem Augenblick an der Wall Street geschieht, ist bemerkenswert. Seit mehr als zwei Wochen haben die Besitzlosen – in der größten Kathedrale des Kapitalismus – Territorium befreit von den Finanz-Titanen und ihrer Polizei-Armee. Sie haben eine einzigartige Gelegenheit geschaffen, auf friedlichem Weg den Lauf der Geschichte zu ändern – so wie es bei den Sit-down-Streiks in den Jahren um 1930 geschehen ist, bei der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre und den demokratischen Erhebungen, die heute in der arabischen Welt und in Europa ablaufen.«

Die US-Massenmedien blendeten den Protest anfangs schlicht aus. Die Revoluzzer galten als Spinner, Hippies, Chaoten. Keine Story wert. Doch als im Internet auf YouTube ein brutales Pol

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