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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Mahnwachen für Hähnchen

von Kristian Stemmler vom 22.10.2010
Bürger wollen größten Schlachthof Europas verhindern

Bisher war die Gemeinde Wietze am Südrand der Lüneburger Heide vor allem wegen der weltweit ersten Erdölbohrungen und als Heimat des Deutschen Erdölmuseums bekannt – das hat sich geändert. In den Schlagzeilen ist der 8000-Einwohner-Ort, weil die Firma Celler Land Frischgeflügel des »Hähnchenfürsten« Franz-Josef Rothkötter dort den größten Hähnchen-Schlachthof Europas bauen will. Diesen zweifelhaften Superlativ hält noch Rothkötters Schlachthof in Haren an der Ems mit rund 119 Millionen Schlachtungen im Jahr. In seiner neuen Agrarfabrik sollen es mehr als 134 Millionen werden, dann werden dort 2,6 Millionen Hähnchen pro Woche getötet.

In den letzten Monaten hat sich eine breite Protestbewegung gegen das Projekt entwickelt, angeführt von der Bürgerinitiative Wietze. Rund 1000 Menschen haben sich schon zusammengeschlossen, vom grünen Ratsherrn bis zur Sekretärin und dem Schüler. »Und der Zulauf ist ungebremst«, wie Gabriele Ruschmeyer, Sprecherin der Initiative, betont. Mit Ständen in der Fußgängerzone und Mahnwachen am Baugelände an jedem Montag zeigt die Initiative Flagge.

Der Protest richtet sich vor allem gegen die Tierquälerei. Mehr als 400 Mastbetriebe sollen im Umkreis von 150 Kilometern dem Schlachthof zuliefern. Das in deutsche Verordnungen übernommene EU-Recht erlaubt in diesen Ställen die Haltung von bis zu 25 Hühnern auf einem Quadratmeter. »Die Tiere werden zur Ware degradiert«, sagt Gabriele Ruschmeyer. Das beklagt auch die Stiftung Warentest in der Oktober-Ausgabe ihrer Zeitschrift test: Die Industrie habe »den Blick für die Würde der Tiere verloren«.

Aber auch für die Umwelt hat das Großprojekt gravierende Folgen. Allein der Wasserverbrauch des Schlachthofs von rund 3,3 Millionen Liter Wasser am Tag könnte das Gleichgewicht im Aller-Leine-Tal gefährden. Auch die massiven Ammoniakausdünstungen und riesigen in den Ställen anfallenden Nitratmengen seien eine Gefahr für die Umwelt. Zudem rechnen die Protestler rund um den Schlachthof mit mindestens 200 Lkw-Bewegungen am Tag.

Welche Emotionen im Spiel sind, zeigt die Gemeinde Sprötze südlich von Hamburg. Dort brannte ein Maststall, der Rothkötter zuliefern sollte, schon im Bau ab, wegen einer vermutlich von militanten Tierschützern beg

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