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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Kirchenkampf in Peru

von Thomas Seiterich vom 22.10.2010
Umwelt- und Befreiungstheologen droht die Ausweisung

Kirchenarbeit zu machen, das ist im Andenstaat Peru kein Zuckerschlecken. Denn im Land des Begründers der Befreiungstheologie, Gustavo Gutierrez, herrschen innerkirchlich raue Sitten.

Der Vatikan halte Peru »für eine Wiege der Befreiungstheologie«, sagt der Priester und Umweltkämpfer Marco Arana. Umso härter sorge Rom mittels der Ernennung von erzkonservativen Bischöfen dafür, dass die Kirche der Armen ausgetilgt wird. Nach dem Konzil (1962- 1965) hatten sich die damaligen Bischöfe Perus auf den Weg zu den Armen gemacht, aus denen das Kirchenvolk mehrheitlich besteht. Doch die später unter den Päpsten Wojtyla und Ratzinger eingesetzten Bischöfe sind aus anderem Holz: elitäre Konservative vom Opus Dei wie der Kardinal von Lima, Luis Cipriani, oder Bischöfe aus der 1997 von Papst Wojtyla approbierten reaktionären Bewegung Sodalicio de Vida Cristiana.

Der neueste Streich gilt dem britischen Ordensmann Paul McAuley. Er soll nach 30 Jahren Pastoralarbeit in Peru des Landes verwiesen werden. Der De-Lasalle-Schulbruder erhielt vom Innenministerium die Order, das Land zu verlassen.

Was hat Paul McAuley verbrochen? Er baute die Fe-y-Alegría-(Glauben-und-Freude-)Armenschule in der Hauptstadt Lima auf, bevor er 2000 in Amazonien eine Mission übernahm. In der nahen Stadt Iquitos gründete McAuley einen Öko-Verein: Die Red Ambiental Loretana wurde schnell zu einer weit gehörten Stimme gegen die ungezügelte Ausbeutung Amazoniens durch Holz-, Erdöl- und Erdgasfirmen. Brother Pauls Kampf sorgte dafür, dass Perus Verfassungsgericht 2004 eine Kahlschlag-Konzession widerrief. Erst jüngst machte der Brite ein gefährliches Leck im Werk der argentinischen Erdölfirma Pluspetrol publik. Dieser Einsatz für die bedrohte Umwelt kostet McAuley nun die Aufenthaltserlaubnis. Denn der Geistliche gefährde »die öffentliche Sicherheit und Ordnung«.

Doch nicht nur McAuley hat es schwer. Das Umwelt-Engagement vieler Ordensleute und einiger Bischöfe ist der Regierung und rechten Kirchenoberen ein Dorn im Auge. Deshalb werden die Bischöfe Daniel Turley (Chulucanas), José Luis Astiarraga (Yurimaguas) und der Jesuit Francisco Muguiro (Jaén) öffentlich als »falsche Christen« und Volksverhetzer angeklagt. Auc

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