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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Dinosaurier ade

von Thorben Becker vom 22.10.2010
Atomkraftwerke sind viel schneller ersetzbar, als die Regierung glauben macht. Ein Plädoyer

Die Bundesregierung hat ihr »energiepolitisches Gesamtkonzept« beschlossen. Obwohl Kanzlerin Merkel und die Minister Norbert Röttgen und Rainer Brüderle in blumigen Worten von einer »Revolution« und von erneuerbaren Energien und Effizienz reden, geht es im Kern nur um eines: die Verlängerung der AKW-Laufzeiten bis über das Jahr 2040 hinaus. Es geht nicht um ein zukunftsfähiges Energiekonzept und nicht um eine Brücke zu den erneuerbaren Energien. Denn diese können die Atomkraft deutlich früher als geplant ersetzen. Die Fachleute der Bundesregierung vom Sachverständigenrat für Umweltfragen und vom Umweltbundesamt fordern eine Richtungsentscheidung gegen die Atomkraft. Aber sie werden ignoriert.

Angela Merkel und ihren Ministern geht es nicht um ein ernst gemeintes Energiekonzept für Deutschland. Sie arbeiten an einer grundsätzlichen Richtungsentscheidung mit langfristigen Folgen. Sie planen das Aus für einen raschen und umfassenden Umstieg auf erneuerbare Energien.

Wir brauchen dagegen eine Richtungsentscheidung für erneuerbare Energien und Energieeffizienz und gegen die unflexiblen Dinosaurier von gestern, Atom- und Kohlekraftwerke. Das Gerede von Laufzeitverlängerungen als »Brücke« zu den Erneuerbaren ist energiepolitischer Unsinn. Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke behindern den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Bundesregierung will den Anschein erwecken, dass die Erneuerbaren trotz Laufzeitverlängerungen weiter ausgebaut werden können. Dies sieht ihr Beratergremium, der Sachverständigenrat für Umweltfragen, anders und warnt davor, dass damit das weltweit beachtete Erfolgsmodell der Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz insgesamt unter Druck gerät und sich die Bedingungen für erneuerbare Stromerzeugung verschlechtern.

Die Einzigen, die von den längeren AKW-Laufzeiten profitieren, sind die AKW-Betreiber: Die Zusatzgewinne der AKW-Betreiber durch die Verlängerung der Laufzeiten belaufen sich auf bis zu 94 Milliarden Euro. Nur ein kleiner Teil davon soll in einen Energieeffizienz- und Klimaschutzfonds eingezahlt werden. Von diesem Geld wird etliches wieder an die Stromkonzerne zurückfließen: Wenn den Betreibern höhere Kosten für Sicherheitsnachrüstungen über 500 Millionen Euro pro Jahr entstehen, erhalten Sie wieder Geld vom Staat.

Einen energiepolitischen Grund für die Verlänger

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