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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2010
Strom ohne Atom
Der Konflikt, die Bewegung, die Zukunft
Der Inhalt:

Die Zukunft hat schon begonnen

von Barbara Tambour vom 22.10.2010
Sonne, Wind und Biogas: Die Gemeinde Morbach im Hunsrück erzeugt dreimal so viel Ökostrom, wie ihre Haushalte benötigen

Wir befinden uns im Jahr eins der Laufzeitverlängerung. Ganz Deutschland scheint von der Vorstellung beherrscht, dass es ohne Atomstrom nicht geht. Ganz Deutschland? Nein! Ein Dorf im Hunsrück produziert schon jetzt dreimal mehr Ökostrom, als die privaten Haushalte der 11 000-Einwohner-Gemeinde Morbach verbrauchen. Auf dem Gelände eines ehemaligen Munitionsdepots der US-Luftwaffe erzeugen 14 Windräder, Fotovoltaik-Anlagen mit 10 000 Quadratmetern Modulfläche und eine Biogasanlage 45 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Genug für etwa 13 000 Haushalte. Morbach hat 4400 Haushalte. Angst hatten anfangs nur die Hotel- und Gaststättenbesitzer, die meinten: »Windräder schrecken Touristen ab.« Inzwischen rollen ganze Busgesellschaften an – Kommunalpolitiker ebenso wie Studenten vom Umweltcampus Birkenfeld der Uni Trier oder internationale Delegationen. Sie alle wollen das Energiekonzept der Hunsrück-Gemeinde kennenlernen.

Die »Energielandschaft«, so heißt das Gelände, auf dem Windräder, Fotovoltaikanlagen und die Biogasanlage stehen, ist von Straßen durchzogen. Auf mehr als hundert basketballfeldgroßen Betonplatten lagerten im Kalten Krieg Bomben der US-Luftwaffe. Es war das größte Munitionsdepot in Europa. Im oberen Teil des Geländes drehen sich die Rotorblätter der Windkraftanlagen. Die blauvioletten Solarmodul-Flächen glänzen. Dazwischen weiden Schafe.

Das dumpfe »Womm-Womm« der Rotorblätter wird übertönt vom Motorgeräusch des Traktors, der die Biogasanlage mit neuem Rohstoff versorgt: Fast elegant kurvt das Fahrzeug zwischen dem Silo und der Anlage hin und her. Der Fermenter, in dem Grünschnitt und Gülle gären, sieht aus wie eine riesige Jurte: kreisrund mit einem kuppelförmigen Dach. Landwirte der Umgebung beliefern die Biogasanlage mit Silage aus Mais und Gras sowie mit Rindergülle, die Gärreste verwenden sie als Dünger. Die Anlage erzeugt Strom. Mit der Wärme, die beim Gären entsteht, wird Holz getrocknet. Darauf ist der Bürgermeister von Morbach, Gregor Eibes, besonders stolz: Dass es gelungen ist, Unternehmen in der Energielandschaft anzusiedeln, die »Abfallenergie« nutzen, etwa die Firma, die Holzpellets herstellt. Ihr Rohstoff: Säge-Restholz aus nahen Sägewerken. Ihr Strom stammt weitgehend von den Windkraftanlagen, die in Sichtweite stehen.

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