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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2021
Kirchendämmerung
Entscheidende Tage für Deutschlands Katholiken
Der Inhalt:

Leserbrief
Angriff aus dem Himmel

vom 08.10.2021

Zu: »Braucht die Bundeswehr bewaffnete Drohnen?« (17/21, Seite 22-23 und 18/21, Seite 26-27)

Ich empfinde den Text von Lukas Ohly und Sigurd Rink zur Frage, ob die Bundeswehr bewaffnete Drohnen braucht, sehr tendenziös, weil ich Einsätze der Bundeswehr im Ausland ablehne – bewaffnet oder nicht. Also: Die Bundeswehr braucht weder Drohnen, noch sollte sie ins Ausland entsandt werden. Ich empfinde mehr Sympathie für die Idee »Annäherung durch Verständigung« und den zivilen Einsatz der Bundeswehr bei Not- und Krisenereignissen. Wir alle haben sowohl bei den Impfungen als auch bei der Hochwasserkatastrophe die positiven, den Menschen helfenden Seiten der Bundeswehr erlebt. In dieser Hilfe ist Gottes Nähe deutlicher zu vermitteln als im Kriegseinsatz. Helga Wagner, Aglasterhausen

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 19/2021 vom 08.10.2021, Seite 58
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Ich bin darüber entsetzt, wie blauäugig ein Text in Publik-Forum die Ablehnung gegenüber Kampfdrohnen aufweicht. Das ist vielleicht aus einer bestimmten theologischen Richtung her zu rechtfertigen, aber nicht ethisch. Dazu sagte Mike Nagler von attac in Ramstein: »Vor allem Zivilisten fallen den Angriffen zum Opfer. Aufgrund der Angst durch unsichtbare Tötung werden ganze Landstriche terrorisiert.« Hinzu kommt: Künstliche Intelligenz kommt auch im Kontext der Drohnen von der Fernsteuerung über die Automatisierung bis zur Autonomisierung immer dominanter in die Kriegstechnik. Dann entscheiden Algorithmen und kalte Programmierungen sowie selbstständig lernende Waffensysteme über Leben und Tod. Am Ende des Artikels von Lukas Ohly und Sigurd Rink heißt es, bewaffnete Drohnen »können eine Reaktion auf eine bereits bestehende Bedrohung durch bewaffnete Drohnen sein, um eine abschreckende Wirkung zu erzielen«. Das sagt mir, wie schwer es ist, sich vorzustellen, welche Innovationssprünge im Kriegshandwerk vor uns stehen. Die Digitalisierung der Kriegstechnik steigert die Gefahr für das Leben weltweit, das Töten wird billiger, schneller und von Kriegserklärungen entkoppelt. Plötzlich kommt der Tod aus heiterem Himmel, genauso leicht und schnell eröffnet das die Spirale auf dem Weg zum Flächenbrand. Bernhard Trautvetter, Essen

Als Christ sei dein Ja ein Ja und dein Nein ein Nein! Wie ist das mit Feindesliebe? Nach dem Lukasevangelium (Lk 6, 29) ist keine Ausnahme begründbar. Der Einsatz jeglichen Waffensystems ist nicht mit dem Neuen Testament zu legitimieren! Auch nicht von Theologen. Persönlich bin ich für ein Selbstverteidigungsrecht auch des Staats, doch kann ich dies nicht mit christlicher Ethik untermauern, sondern aus gottgegebener freier persönlicher Entscheidung – einschließlich natürlich meiner persönlichen Verantwortung für mein Tun und meine Überzeugung vor Gott. Walter Hanz, publik-forum.de

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Dass selbst gestandene Theologen dem Irrglauben verfallen, bewaffnete Drohnen könnten in bestimmten Ausnahmefällen gerechtfertigt sein, zeigt schon die ganze Schieflage der Debatte. Wann sind je militärische Möglichkeiten ungenutzt geblieben, wenn sie erst einmal da waren? Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir als Menschheit stehen, ist jeder für Waffen ausgegebene Euro in meinen Augen eine Sünde. Im Übrigen ist die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee, und wer immer noch glaubt, er könne mit Out-of-area-Einsätzen die Welt besser machen, der hat nichts gelernt, weder aus Afghanistan, noch aus Mali, noch aus Jugoslawien. Militäreinsätze lösen keine Probleme, sie schaffen nur neuen Hass und bringen Tod und Elend für die, die am wenigsten dafür können. Frieden schaffen ohne Waffen muss endlich die globale politische Leitlinie werden! Bewaffnete Drohnen müssen deshalb völkerrechtlich verboten werden. Bernhard Köhler, publik-forum.de

Drohnen sind schon im Prinzip abzulehnen. Sie sind ein weiterer Schritt in der fortschreitenden Anonymisierung in der Verwendung der Waffensysteme. Vom Schwert zur Pistole zum Gewehr zur Kanone zum Panzer zum Jagdbomber zur Rakete: die Distanz zum Opfer wird größer bis hin zum virtuellen Abstand. Die Möglichkeit, die andere Wange hinzuhalten, möchte das Gewissen des Aggressors erreichen. Das setzt aber die visuelle Erfahrung des Leidens und die Spürbarkeit seines Gegenübers voraus. Eine Resonanz ist nicht mehr gegeben. Wie soll ein Frieden entstehen, ohne dieses persönliche Mitgefühl. Wie soll ein Bedauern, wie soll ein Bitten um Vergebung sich entwickeln, wenn wir mit derartigen Distanzen agieren? Christian Nowottny, publik-forum.de

Selbstverständlich müssen wir unseren Soldatinnen und Soldaten den bestmöglichen Schutz in Kampfeinsätzen geben. Das geht auch ohne bewaffnete Drohnen. Der Einsatz solcher Werkzeuge wie bewaffnete Drohnen versperrt den Weg zur Deeskalation. Sie sind daher für die Schaffung von Frieden völlig ungeeignet. Wilhelm Kappelhoff, Schöppingen

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