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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2019
Abschied von Gandhi
150 Jahre nach seiner Geburt herrschen in Indien Gewalt und Fanatismus
Der Inhalt:

Nachgefragt: Droht der Burn-out?

von Ulrike Scheffer vom 04.10.2019
Die Aktivisten von Fridays for Future sind von der Politik enttäuscht. Wie lange halten sie noch durch? Fragen an Katharina van Bronswijk

Publik-Forum: Die Politik hat auf die Forderungen der Jugendbewegung Fridays for Future nur halbherzig reagiert. Was macht das mit den Jugendlichen?

Katharina van Bronswijk: Es ist möglich, dass Mitglieder der Bewegung resignieren. Die Reaktion der Jugendlichen wird aber unterschiedlich sein. Das hängt vom Temperament des Einzelnen ab, von der Unterstützung durch das individuelle Umfeld und auch von der grundsätzlichen Einstellung zum Leben. Ein wichtiger Faktor ist zudem, wie lange jemand schon dabei ist.

Können Sie solche negativen Tendenzen bereits erkennen?

Van Bronswijk: Ich habe vor allem Kontakt zu Fridays for Future in Hamburg. Dort erlebe ich einen großen Kampfgeist, ich sehe aber auch, dass viele Jugendliche Gefahr laufen, sich zu überarbeiten. Die Zeit und die Energie, die viele in die Bewegung stecken, ist aus psychologischer Sicht besorgniserregend. Deshalb bieten wir von Psychologists for Future Workshops zu nachhaltigem Aktionismus an. Da geht es um Stressbewältigung, Entspannungstechniken, aber auch darum, die eigenen Einstellungen zu reflektieren und sich zu fragen: »Kann ich mich so weit mäßigen, dass ich mich nicht völlig für die Sache opfere?«

Merken denn die Jugendlichen, dass sie gefährdet sind?

Van Bronswijk: Ja, durchaus. Besonders die Hauptverantwortlichen sind am Rande ihrer Kraft, was nicht zuletzt daran liegt, dass hier Kinder und Jugendliche Erwachsenenaufgaben erledigen. Das hat auch Greta Thunberg vor den UN ganz klar zum Ausdruck gebracht, als sie sagte: »Ihr habt meine Kindheit gestohlen.« Da diskutieren 12- oder 14-Jährige, wie man einen Verein und eine ordentliche Buchhaltung führt oder wie man einen Lautsprecherwagen organisiert, wenn man keinen Führerschein hat.

Sollten Erwachsene die logistischen Aufgaben übernehmen?

Van Bronswijk: Das wäre eine Möglichkeit. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Erwachsene den jungen Aktivisten den Rücken stärken und ein positives Gegengewicht zu den Anfeindungen bilden, die immer massiver werden. Erwachsene sollten in jedem Fall das Gespräch suchen, den Jugendlichen Raum geben, ihre Gefühle und Ängste zu äußern. Wir sind jetzt an einem Punkt in der Geschichte, an dem wir

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