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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Nachgefragt: Warum sind Rechte im Osten populär?

Fragen an Markus Nierth, ehemaliger Bürgermeister von Tröglitz

Publik-Forum: Herr Nierth, AfD-Wähler erheben oft den Vorwurf: Die anderen Politiker hören uns nicht mehr zu, darum wählen wir die Rechtspopulisten. Haben sie recht?

Markus Nierth: Das ist so pauschal formuliert falsch. Und der Vorwurf dahinter ist oft auch ein anderer: »Die Politiker machen nicht das, was wir wollen!« Das erinnert mich an ein Verhalten, wie ich es von Kindern kenne: Ich will das haben, was ich mir in den Kopf gesetzt habe, und wenn ich das nicht kriege, stampfe ich mit dem Fuß auf und überschreite Grenzen. Das geht aber so nicht. Demokratie basiert auf Mehrheitsentscheidungen.

Sie meinen, diese Wähler haben die Regeln der Demokratie noch nicht begriffen?

Nierth: Viele Menschen in meinem Umfeld sind nach 27 Jahren noch nicht als selbstverantwortliche Bürger in der Demokratie angekommen. Sie sind mit der Kultur der Demokratie, dass man etwa Kompromisse findet, konstruktiv mitdiskutiert, dass man sich als mündiger Bürger tatkräftig einbringt, nie warm geworden. Man hat 1990 gern die D-Mark genommen und die Reisefreiheit und die Westautos. Aber dass Demokratie bedeutet, sich auch zu engagieren, dass dazu ein Einbringen, ein Zurückgeben gehört, dass jeder sich mit seiner Begabung einbringt, dass man die neugewonnene Freiheit mitgestaltet – das ist leider von vielen ausgeblendet worden.

Dafür blendet der Westen die schweren Verwerfungen aus, die der Prozess der Vereinigung für viele mit sich gebracht hat.

Nierth: Ich habe großes Verständnis für die starken Verletzungen, die Menschen erfahren haben, als sie nach 1990 ihre Arbeit verlore