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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Aufgefallen: Sie zahlt einen hohen Preis

Die türkische Schriftstellerin und Journalistin Asli Erdogan versucht Stimme der Opfer zu sein – und wurde selbst zum Opfer der Regierung Erdogan

Sie ist eine Ikone des Widerstands in der Türkei. Asli Erdogan – mit dem gleichnamigen Politiker, der ihr Land zu einem totalitären Unrechtsstaat machte, ist sie nicht verwandt – setzt sich seit Jahren für die Opfer von Gewalt und Unterdrückung in der Türkei ein. Ihr Blick als Schriftstellerin und Journalistin auf die Menschen und was sie sich gegenseitig antun, ist genau, schonungslos und doch sensibel. Aus einer tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch die gleichen Rechte hat, erhebt sie ihre Stimme, geht bei ihrem Einsatz für Frieden, Humanität und Menschenrechte an die Grenze dessen, was physisch und psychisch verkraftbar erscheint.

Vor Kurzem erhielt sie für ihr kompromissloses Engagement den Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 der Stadt Osnabrück. Sie durfte überraschend aus der Türkei ausreisen und ihn entgegennehmen. Asli Erdogan wirkt dünn, zerbrechlich – und gezeichnet. In die Gesichtszüge der Fünfzigjährigen haben sich permanente Anspannung, Entbehrungen und Schmerz, die solch ein Leben mit sich bringt, eingezeichnet. »Ich habe versucht, Stimme der Opfer zu sein. Letztendlich bin ich selbst Opfer geworden – zweifellos.« Sie mimt nicht die strahlende Heldin, sondern spricht offen über Suizidgedanken, die sie während und nach ihrer viermonatigen Haft im Frauengefängnis in Istanbul hatte. Mittlerweile ist für Asli Erdogan klar: »Wer den Faschismus bekämpft, zahlt einen hohen Preis. Wer ihn nicht bekämpft, zahlt einen noch viel höheren.« Sie hat sich dafür entschieden, den hohen Preis zu bezahlen.

Kurz nach dem missglückten Putsch gegen Diktator Erdogan im Juli 2016 wurde die Schriftstellerin verhaftet, zusammen mit 22 weiteren Journalisten der kurdischen Zeitung Özg