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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Kein Fegefeuer in Ingolstadt

von Michael Schrom vom 13.10.2017
Bloß nicht über Diesel streiten: Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke im Gespräch mit Audi-Chef Rupert Stadler

Wer vom Ingolstädter Hauptbahnhof mit dem Bus Richtung Innenstadt fährt, erlebt wie auf einer Zeitreise die untergegangene bayerisch-katholische Leitkultur der Stadt, wie sie sich noch in den Namen der Haltestellen spiegelt: St. Markus, St. Anton, dann vorbei an St. Moritz und am Münster Unserer lieben Frau, an St. Pius und St. Johannes. Doch das Ziel fast aller Busse und Ausfallstraßen ist das Audi-Werk. Mehr als zwanzig Haltestellen beginnen mit »Audi«.

Das Versprechen der Kirchtürme lautet: »Gott mit dir, du Land der Bayern.« Das von Audi: »Autonom auf Zukunftskurs.« Ingolstadt liegt im Bistum Eichstätt, dessen Bischof Gregor Maria Hanke im Ruf steht, ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein zu besitzen. Für seine Verdienste um nachhaltige Landwirtschaft erhielt er die Rachel-Carson-Medaille. Bevor er Bischof wurde, lebte er 25 Jahre als Mönch in der Abtei Plankstetten. Er habe dort nicht nur gelernt, was es heißt, an einem Ort zu bleiben, sondern auch, »dass ich nicht überall sein muss«.

Ganz anders der polyglotte Audi-Chef Rupert Stadler, der sein Unternehmen als Anbieter von »individueller Premiummobilität« sieht und beim Beschreiben des selbstfahrenden Audi Aicon geradezu schöpfungstheologisch ins Schwärmen gerät (»Wir schenken Ihnen die 25. Stunde«). Stadler jettet nicht nur mehrmals die Woche von Ingolstadt nach Wolfsburg, sondern kennt auch den Verkehrskollaps chinesischer Ballungsräume aus eigener Anschauung. An den Hustenreiz, den er 1997 in Bejing verspürte, kann er sich selbst zwanzig Jahre später noch erinnern. Dennoch sagt er: »Weniger fahren ist auch keine Lösung.«

Der Katholischen Akademie in Bayern ist es nun gelungen, beide Männer zu einem Gespräch über Mobilität und Nachhaltigkeit zusammenzubringen, und es hätte ein spannender Abend über Technik und Hybris, Vision und Wirklichkeit, Mobilität und Verantwortung werden können. Dass es dazu nicht kam, lag zum einen an der ungeschickten Moderation, die immer wieder Anekdötchen einstreute, statt das Gespräch zu vertiefen. Und zum anderen an der Maxime: Bloß nicht streiten!

Bischof Hanke ist ein freundlicher Mann. Selbst der Dieselskandal, der ja ein veritables Lügengeflecht ans Licht brachte, reichte ihm nicht, um wenigstens ein klitzekleines Fegefeuer anzuzünden.

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