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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

»Die Eulen verzauberten mich sofort«

von Michaela Schneider vom 13.10.2017
Harald Dellert engagiert sich in einer Auffangstation für verletzte Greifvögel bei Würzburg

Eine Eule muss man von klein auf großziehen, wenn sie zahm werden soll. Bei Uhu Flecki war das der Fall; er ist nun eine meiner vier »Aufklärungseulen«. Morgen ist einer seiner großen Tage, denn ich werde mit ihm eine Kita besuchen. Aufklärung ist dem Team der »Greifvogel- und Eulenhilfe Würzburg« sehr wichtig. Wer einmal direkt Kontakt hatte mit einer Eule, entwickelt einen neuen Bezug zum Thema Wildtiere. Ich will dafür sensibilisieren, dass ihr Lebensraum nicht noch weiter beschnitten wird und dass für Eulen besonders Altholz sehr wichtig ist. Die Kinder bringen das Bewusstsein in ihre Familien.

Eine andere Gelegenheit zur Aufklärung ist unser Tag der offenen Tür im Sommer, da kommen bis zu tausend Besucher. Dieses Jahr wurde der Waldkauz zum »Vogel des Jahres« gewählt. Das ist Anlass für unseren Verein, Nistkästen zu bauen und in den Wäldern anzubringen; hierfür suchen wir Paten.

Aufklärung ist nur eine Säule der Arbeit. Vor allem betreiben wir eine Auffangstation für verletzte Greifvögel und Eulen. Aktiv arbeiten etwa zehn Vereinsmitglieder mit. Wir pflegen die Tiere gesund und wildern sie dann wieder aus. Die Auffangstation wurde 1980 von Falknermeister Jürgen Färber gegründet. Seit 2002 unterstütze ich ihn. Ich machte selbst eine Ausbildung zum Falkner – und übernahm nach seinem Tod 2015 die Leitung. Vorrangig geht es uns um das Auswildern. In einigen Volieren erhalten auch seltene Vögel wie ein Rotmilan ihr Gnadenbrot, die nicht mehr auswilderbar sind.

Das geschieht alles ehrenamtlich. Im Frühjahr bedeutet es für mich aber einen Vollzeitjob. Denn Jungvögel fallen aus dem Nest, Elterntiere verunglücken – Gründe gibt es viele, weshalb Tiere in die Auffangstation gebracht werden. 2015 waren es mehr als 120 Tiere. Das kostet sehr viel Zeit – aber gelingt eine Auswilderung, macht dies alle Mühen wieder wett.

Einmal bekam ich einen Wanderfalken. Nach zehn Tagen war seine Augenverletzung geheilt. Ich rief seine Finder an und nahm sie mit zum Auswildern. Der Falke flog hoch in den Himmel, verschwand – und kreiste später mit zwei anderen Falken über uns.

Vielleicht war es Schicksal, dass dies heute mein Leben bedeutet. Ich hatte nie zuvor eine Eule in freier Wildbahn gesehen, bis mir auf einer Autofahrt plötzlich eine in die Frontscheibe flog. Ich brachte sie in die Auffangstation. Leider starb sie nach zwei

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