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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Verhandeln statt schießen!

von Thomas Carl Schwoerer vom 07.10.2016
Pazifistische Lösungen für Terrorismus

Manche mögen behaupten, die Zeit für Verhandlungen mit dem »Islamischen Staat« und anderen Dschihadisten sei noch nicht reif, andere halten sie für schlicht unmöglich. Dabei zeigen die Erfahrungen weltweit, von Syrien über Afghanistan bis Kolumbien: Der militärische Kampf gegen den Terror ist trotz punktueller Siege kontraproduktiv. Es wäre insbesondere in Syrien sehr befremdlich und durchaus zynisch, wenn die Regierenden keinen anderen Weg als diesen gingen und dabei wissentlich weitere Tausende Menschenleben opfern würden. Solche Außenpolitik macht die Welt unsicherer.

Deutlich vorzuziehen wäre eine Strategie, die sich die Politik Willy Brandts zum Vorbild nimmt. Brandt hat im Kalten Krieg nicht darauf gewartet, bis beide Seiten erschöpft waren, sondern ist initiativ geworden. Das ist Politik. Ab 1968 hat er die von Verhandlungen geprägte Entspannungspolitik in der Großen Koalition durchgesetzt, gegen Widerstände von CDU und CSU, aber mit Rückhalt in der Bevölkerung.

Ihr Ergebnis war, dass im Gegensatz zum Aufstand des 17. Juni oder zum Prager Frühling keine Panzer rollten, als es 1989 zum gewaltlosen Umbruch in der DDR kam. Wenn man ernsthaft Verhandlungslösungen angegangen wäre, hätten sich alle Kriege der vergangenen Jahrzehnte verhindern oder beenden lassen. So wären die USA besser auf bin Ladens Vorschlag eines Waffenstillstands im Jahr 2006 eingegangen. Terroristen stattdessen den Krieg zu erklären spielt ihnen in die Hände und verhilft ihnen in ihren Kreisen zu mehr Größe und Ruhm. Wenn Siegen bedeutet, sich unverwundbar für terroristische Angriffe zu machen, wird der Westen niemals siegreich sein. Terrorgruppen können jederzeit einen Kämpfer in irgendein Café schicken, eine Bombe zünden lassen und damit demonstrieren, dass die mächtigsten Länder der Welt nicht in der Lage sind, sie zu schlagen. Kanzlerin Angela Merkel hätte deshalb besser darauf verzichtet, nach den Brüsseler Anschlägen vom 22. März 2016 anzukündigen, wir würden den Terrorismus besiegen.

Eine vernünftige Antiterrorstrategie sollte sich darauf konzentrieren, erstens herauszufinden, ob die Ziele der Terroristen verhandelbar sind, und zweitens die Terrorgruppen von der sie unterstützenden Gemeinschaft zu isolieren – etwa wenn Terroristen Kinder umbringen. Wir sollten die Bevölkerung für uns gewinnen.

Auch für den Konflikt in Mali steht ei

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