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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Ist die Welt noch zu retten?

von Ruth Misselwitz vom 07.10.2016

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, der Warschauer Pakt aufgelöst wurde und die Grenzen in Europa niedergerissen wurden, schien die Weltgeschichte eine neue Richtung eingeschlagen zu haben. Ein Krieg in Europa wurde immer unwahrscheinlicher. So jedenfalls dachten wir. Die Kriegsgeschichte aber gönnte sich nur eine Atempause. Schon nach kurzer Zeit brannte der Balkan. Das Machtgerangel zwischen dem Osten und dem Westen nahm neu an Fahrt auf. Russland, aus der Europäischen Union herausgehalten, wurde zur Projektionsfläche des Bösen aufgebaut. Die Nato vergrößerte ihre territoriale Präsenz bis dicht an die Grenzen des Landes. Die EU-Staaten sichern sich in Form von Waffenlieferungen und fragwürdigen Allianzen den Zugriff auf Rohstoffe.

Inzwischen sehen wir mit Schrecken, wie brüchig die Festung Europa geworden ist. Die Kriege im Nahen Osten und in Afrika schienen uns nichts anzugehen, doch nun kommen sie in Form von Terroranschlägen und Flüchtlingsströmen direkt vor unsere Haustür. Mühselig versuchen wir zu verdrängen, welche Anteile die reichen Völker des Nordens an dem Elend der verarmten Völker des Südens zu verantworten haben. Stattdessen wird der Ruf nach Schließung der Grenzen und »Schutz« vor den Flüchtlingen immer lauter. Aber es gibt keinen »Schutz« vor dem verzweifelten Verlangen der Kriegs- und Hungerflüchtlinge nach Brot, Wasser, Sicherheit und Frieden. Und so erschreckend wie klar ist es auch, dass der Norden nicht ohne den Süden überleben kann. Eine einseitige Blockade der Reichen gegen die Armen zur Sicherung des Status quo funktioniert nicht. Wir können nur überleben, wenn wir gerechte Strukturen schaffen. Nationale, religiöse Abgrenzungen provozieren Hass und Krieg.

Ist die Welt noch zu retten? Politiker und Militärs werden eigene Antworten darauf finden. Wir als Christen haben gemeinsam mit den Juden die Heilige Schrift, das erste Testament; Christen haben noch ein zweites. In beiden Testamenten ist Gott beschrieben als der Ursprung und Garant für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Die Vision des Propheten Micha, »Schwerter zu Pflugscharen«, gab uns in Zeiten der atomaren Aufrüstung Hoffnung auf einen Ausweg aus der tödlichen Gewaltspirale. Die Aufforderung zur Feindesliebe und der Verzicht auf einen Gegenschlag, wie ihn Jesus in der Bergpredigt postuliert, ermöglichte uns eine neue Sicht auf Konf

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