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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

»Die Zukunft gehört der Sozialkirche«

Was tun, wenn auch innerhalb der Kirche das Interesse am religiösen Gespräch abnimmt? Fragen an Gerhard Wegner

Publik-Forum: Herr Wegner, die Kirchen verlieren Mitglieder. Ob das Interesse an der Religion sinkt oder steigt, darüber wird unter Fachleuten gestritten. Sie haben eine besondere Sicht auf diese Entwicklungen.

Gerhard Wegner: Dass das Interesse an einer explizit religiösen Kommunikation zurückgegangen ist, in der Gesellschaft, aber auch in den Kirchen selbst, kann man nicht leugnen. Auf der anderen Seite gibt es ein ausgeprägtes sozialpolitisches Engagement speziell in der evangelischen Kirche, sodass man durchaus von einer »Sozialkirche« reden kann. Hier werden klassische christliche Werte gelebt: Nächstenliebe, Solidarität, Barmherzigkeit. Die religiöse Kommunikation wird auf diese Weise fortgeschrieben. Ich sehe weder ein neues Interesse an der Religion noch einen Säkularisierungsschub, sondern eher eine neue Form von Religiosität – eben als Sozialreligiosität.

Dies im Unterschied zu …?

Wegner: … einer existenziell-mystischen Religiosität, der es vor allem um eine Vertiefung von Kreuz und Leiden Jesu geht. Im Zentrum steht hier eher der Einzelne in seinem Verhältnis zu Gott, während sich in der Sozialreligion der Einzelne mit anderen zusammen für andere engagiert.

Sie deuten Sozialreligion als Verweltlichung des Glaubens. Wie meinen Sie das?

Wegner: Es gab und gibt im protestantischen Christentum immer beides: Entweltlichung und Verweltlichung. Das bewusste Abwenden von der Welt, verbunden mit einer Hinwendung zu Gott, hat den Protestantismus immer begleitet. In der Sozialreligiosität haben wir die bewusste Hinwendung zur Welt, die Weltgestalt