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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2016
»Schaut doch mal rein in die Bibel!«
Bodo Ramelow über Christsein und Kapitalismus
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Frau in Weiß

von Michael Damm vom 07.10.2016
Jetzt hat auch Japan seine »Trümmerfrau«: Renho Murata wurde zur ersten Oppositionsführerin des Landes gewählt – und gleich angefeindet

Wenn Männer abgewirtschaftet haben, sollen die Frauen die Trümmer aufräumen: So war es einst bei Angela Merkel, so ist bei der britischen Konservativen Theresa May. Und so scheint es jetzt auch bei der größten Oppositionspartei Japans zu sein, der Demokratischen Partei. Nach einer katastrophalen Wahlniederlage gegen den strikt konservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe wählte die Opposition nun zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze: Renho Murata.

Und die ist durchaus ungewöhnlich. Nicht nur, weil sie immer weiße Kleidung trägt. Sondern deshalb, weil sie in ihrer Person Positionen vereinigt, die im traditionsbewussten Japan sonst nicht zusammengehen. Sie war in jungen Jahren als Model und später als Fernsehmoderatorin bekannt. Gleichzeitig studierte sie Öffentliches Recht und stieg schon bald in die Politik ein – obwohl Frauen in Führungspositionen in Japan selten sind. Murata ist bekannt für feministische Positionen, auch die sind rar in ihrer Heimat. Für Renho, wie sie auch öffentlich genannt wird, steht aber außer Zweifel, dass sie eine politische Karriere anstrebt und sich dennoch »möglichst liebevoll«, so sagt sie, um ihre Familie mit dem Ehemann und zwei Kindern kümmern will.

Einen Skandal löste die 49-Jährige aus, als sie bekanntgab, dass sie entgegen bisheriger Darstellungen doch eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Murata ist das Kind eines taiwanesischen Vaters und einer japanischen Mutter. Sie ist in Tokio geboren und aufgewachsen – und lebt mit ihrer Familie immer noch dort. Bisher hatte sie immer angegeben, nur die japanische Staatsbürgerschaft zu besitzen. Doch vor ihrer Wahl gab sie zu, dass sie auch noch die taiwanesische Staatsbürgerschaft hat. Das ist in Japan nicht erwünscht, es wird jedoch geduldet. Gleichwohl regten sich sofort wütende Proteste konservativer Kreise, die um »die Reinheit des japanischen Volkes fürchten«, wie eine Zeitung schrieb.

Renho Murata fürchtet diese Entrüstung nicht. Sie setzt auf ihre Popularität in der Bevölkerung, die ihr schon über viele Widrigkeiten hinweggeholfen hat. Schon als Ministerin während der Regierungszeit der Demokratischen Partei zwischen 2009 und 2012 legte sie sich speziell nach der Katastrophe von Fukushima mit der öffentlichen Verwaltung an. Dabei ging es um heikle Fragen der Lebensmittelsicherheit. Als Ministerin forderte sie umfassende Veränderungen in J

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