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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Wunder, gibt’s die?

Schockierend, seltsam, tief beglückend: Manche Menschen erleben Wunder. Andere können das nicht verstehen. Wie das Unerwartete geschieht, ist oft rätselhaft. Warum aber widerfährt es den einen – und den anderen nicht?

Wunder, gibt’s die?«, nannte sich ein schwedischer Film in den 1960er-Jahren, der sich meiner Erinnerung nach mit allem, nur nicht mit Wundern beschäftigte. Aber würde denn heute die Frage nach Wundern ernsthafter gestellt? In unserer durchrationalisierten Welt scheinen sie keine Rolle zu spielen. Trotzdem ist untergründig bei den meisten Menschen eine Sehnsucht nach dem Wunder da, nach etwas, das plötzlich und unerwartet die Alltäglichkeit durchbricht.

Im Juli beschäftigte sich eine interdiszi plinäre Konferenz an der Universität des Saarlandes mit der Thematik des »Wunderbaren«. Was ist ein Wunder? Laut Duden ein außergewöhnliches Geschehen, das den Naturgesetzen oder aller Erfahrung widerspricht. Ein Ereignis, das von außen einbricht und Staunen erregt. Religiös fundierte Gesellschaften hatten und haben kein Problem damit, im Wunderbaren, Außergewöhnlichen das Heilige, das Göttliche zu erfahren.

Religiöse Kunst brachte dies stets zum Ausdruck, etwa mit Goldfarben und Himmelblau. Aber auch durch die Konzentra tion von Licht auf eine Szene zeigten Maler den Betrachtenden, dass in der dargestellten Person oder dem Ereignis das Göttliche ins Alltägliche einbricht. Für den gläubigen Betrachter des Kunstwerks wirkte das wie eine Predigt: Es erinnerte ihn an den göttlichen Ursprung allen Seins.

Die biblische Botschaft spricht von Wundern anders als der Duden. Weil der Schöpfer die Naturgesetze und die Geschicke der Menschen lenkt, kann ein Wunder in der Bibel nicht gegen die göttlichen Naturgesetze geschehen: Vielmehr ist alles – ob ein Gewitter, ein Erdbeben, die Teilung des Roten Meeres oder die Stillung des Sturmes auf dem See Genezareth – Gottes Tat