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Alles wieder ganz normal?

Vor fünfzig Jahren unternahmen die Kirchen mutige Schritte zur Versöhnung zwischen Deutschen und Polen. Was ist daraus geworden?
von Brigitte Lehnhoff vom 09.10.2015
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Mitte Juli packte Elsbeth Boxberg ihren Koffer. Natürlich erzählte sie im Bekanntenkreis von der bevorstehenden Reise. Wohin es denn gehe? Nach Polen. Entgeisterte Nachfragen: »Warum nach Polen?« Wäre es Portugal gewesen oder ein anderes westliches Land, niemand hätte nachgefragt, vermutet die Sonderpädagogin aus Tuningen. Aber Polen? Für noch mehr Irritation sorgte der Zweck ihrer Reise. Elsbeth Boxberg fuhr nicht als Touristin nach Warschau. Sie engagierte sich dort mit elf anderen Frauen in einem Versöhnungsprojekt der Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD). Dessen Wurzeln reichen mehr als vierzig Jahre zurück. Ab 1973 wurde in Warschau das Kindergesundheits- und Gedächtniszentrum gebaut, als Denkmal für das Leben, gewidmet den 13 Millionen Kindern, die im Zweiten Weltkrieg umgekommen waren. Finanziert wurde der Bau mit in- und ausländischen Spenden. Auch evangelische Kirchengemeinden in der DDR sammelten, insgesamt 1,3 Millionen Mark. Aus der finanziellen Unterstützung wurde konkrete Hilfe: In Sommerlagern halfen Freiwillige zunächst auf dem Bau, später in der Küche, auf den Stationen und im Garten des Krankenhauses. Die Einsätze verantworteten abwechselnd Aktion Sühnezeichen Ost, die ökumenische Jugend sowie die evangelischen Frauen in der DDR. Sie brachten das Projekt mit, als sich nach der Wende 1989 die evangelischen Frauenhilfen Ost und West vereinigten.

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