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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Die Fährfrau

Gabriele Haefs ist Übersetzerin – sie bringt Leser von einem Sprachufer zum anderen. Ihre Arbeit wird unterschätzt und schlecht bezahlt. Zur Buchmesse erscheint ihr jüngstes Werk

Unbemerkt betritt Gabriele Haefs das Buch-Café Jussi in Hamburg. Sie ist Anfang sechzig, das glatte, braune Haar trägt sie schulterlang. Niemand spricht sie an, nur die Buchhändlerin erkennt ihr Gesicht: »Cappuccino, Gabriele?« Haefs ist eine der Großen ihres Faches, viele Menschen, die hier ins Café kommen, haben ihre Werke gelesen – und kennen ihren Namen dennoch nicht.

Gabriele Haefs ist Übersetzerin, sie überträgt Literatur aus drei skandinavischen Sprachen, aus dem Niederländischen, Englischen und dem Gälischen ins Deutsche. Schwedische Krimis, irische Kurzgeschichten, Fantasyliteratur aus den USA. Soeben sind die Kriegstagebücher von Astrid Lindgren erschienen, die sie übersetzt hat. Nächste Woche wird das Buch auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert.

Für ihre Leistungen ist Haefs bereits mit vielen Preisen bedacht worden. 2011 wurde sie sogar zur Ritterin geschlagen, bekam den Königlich Norwegischen Verdienstorden. Und doch bleibt sie wie die meisten Übersetzer unsichtbar, verschwunden im Schatten der Autoren. Auch bei der Vorstellung der Lindgren-Tagebücher wird wieder viel von der berühmten Kinderbuchautorin die Rede sein und wenig von den beiden Übersetzerinnen.

»Als ich anfing, druckten viele Verlage den Namen des Übersetzers ganz klein«, sagt Gabriele Haefs. Auch in Verlagsprospekten fehlte er manchmal. Immerhin das hat sich nach und nach geändert: In einigen Büchern steht inzwischen unter der Biografie des Schriftstellers auch die des Übersetzers. Doch nach wie vor erwähnen viele Rezensenten die Übersetzer mit keinem Wort. Dabei wären die meisten Werke ohne sie gar nicht zugänglich.