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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Demokratie braucht Widerspruch

von Bettina Röder vom 09.10.2015
Die Kommunikation in unserer Gesellschaft ist gestört. Warum wir uns damit nicht abfinden dürfen

Demokratie will beschützt und verteidigt sein. Denn etwas Kostbareres im Zusammenleben von Menschen in einem modernen Staat haben wir nicht. Nicht Abnicken hält sie am Leben, sondern Einmischung und Widerspruch. Konkret muss der sein, genau und sachlich vorgetragen. Das Internet kann dabei unersetzbar sein. Wie in diesen Tagen, wenn zur großen Demonstration gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA in Berlin aufgerufen wird. Mehr als drei Millionen Unterschriften europaweit unter eine klare Petition zu diesem undurchsichtigen und mehr als fragwürdigen Vorhaben, ohne das Internet wäre dieser Einspruch undenkbar.

Genau in diesen Tagen passiert aber auch das Gegenteil. Menschen reden nicht mehr miteinander, sie beleidigen, verunglimpfen und beschädigen »die da oben«, also Politikerinnen und Politiker oder auch Promis, sollten sie etwa ein Herz für Flüchtlinge zeigen. Das geht Til Schweiger so, Konstantin Wecker, Wolfgang Thierse, um nur einige zu nennen. Das Internet ist dafür geradezu ideal. Man kann sich verstecken. Muss weder Ross noch Reiter nennen, vom wahren Absender ganz zu schweigen. Das ist die dunkle Kehrseite all der Vernetzungsmöglichkeiten in der modernen Computerwelt.

Was aber heißt das, wenn Menschen im Netz anonym andere beschädigen und verunglimpfen? Nichts anderes, als dass die Kommunikation in unserem Land im Ganzen gestört ist. Zwischen denen, die an der Basis unterschiedliche Meinungen haben, wie auch zwischen Staat und Gesellschaft.

Der Physiker und Mitbegründer des Neuen Forums, Sebastian Pflugbeil, hat dieser Tage daran erinnert. »Wer will heute behaupten, dass die Kommunika tion zwischen Staat und Gesellschaft funktioniert?«, hat er im Blick darauf gefragt, dass dieses Thema schon einmal ein zentrales war. Beim Gründungsaufruf des Neuen Forums damals wie auch bei den friedlichen Demonstrationen im Herbst 1989 stand sie im Mittelpunkt: die dringende Forderung, der gestörten Kommunikation ein Ende zu setzen und den Dialog auf Augenhöhe zwischen Andersdenkenden zu ermöglichen. Wenn in diesen Tagen am 9. Oktober an die Friedliche Revolution erinnert wird, sollte auch das zur Sprache kommen: Erledigt hat sich diese Forderung auch in der Demokratie nicht.

Patentrezepte hat keiner. Aber wir brauchen Bürger, die sich mutig einmischen. Doch wir brauchen auch rote Karten für jene, di

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