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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2015
»Der Papst muss liefern«
Publik-Forum-Streitgespräch über Reformen in der katholischen Kirche
Der Inhalt:

Die drei Gesichter Gottes

von Hartmut Meesmann vom 09.10.2015
Erstmals trafen in einem kirchlichen Haus Vertreter des integralen Denkens mit spirituell erfahrenen Theologen zusammen

Eingeweihte Kreise sind von dem Denkansatz fasziniert, manche gar begeistert. Der US-amerikanische Philosoph Ken Wilber will mit seiner »integralen Theorie« eine Art Mega-Landkarte anbieten, mit der man sich besser in der Welt zurechtfinden kann. Sie soll helfen, das Tun und Lassen der Menschen, ihr Mit- und Gegeneinander und das, was von außen durch gesellschaftliche und technologische Entwicklungen auf sie einströmt, besser zu verstehen. Wer integral, also ganzheitlich leben möchte, sollte nach Wilber möglichst immer auch »das Ganze« des Lebens im Auge behalten.

Nehmen wir als Beispiel ein Unternehmen: Eine integrale Sicht berücksichtigt die äußeren Einflüsse, die auf das Unternehmen einwirken (Außenperspektive); die internen Strukturen, die das Unternehmen prägen (Innenperspektive); die Menschen in ihrem Verhalten (Außenperspektive) und – entscheidend – auch in ihren Gefühlen und Einstellungen (Innenperspektive), weil diese in nicht unerheblichem Maß auf das Unternehmen einwirken. Schließlich nimmt die integrale Sicht immer auch die Schattenseiten in den Blick, also die blinden Flecke und das Verdrängte: in den Strukturen und bei den Menschen. Dahinter steht die Überzeugung, dass man nur so im Unternehmen angemessen agieren und die Ziele konstruktiv weiterentwickeln könne, ohne dabei die Mitarbeitenden auszublenden. Ein hoher Anspruch. Man übertrage dies einmal auf die Kirchen ...

Ken Wilber hat in seine integral-evolutive Weltsicht auch die von Jean Gebser entwickelte Theorie der Bewusstseinsstufen aufgenommen. Damit wird erklärt, warum Menschen denken, wie sie denken, und wie sich Einstellungen im Lauf der Jahrtausende verändern: Da geht ein archaisches Bewusstsein in ein magisches über, entsteht ein rationales, wächst ein friedfertiges und entwickelt sich heute ein systemisch-integrales Denken und Handeln.

Hilft dieses integrale Modell auch im spirituellen Leben, löst es gar die christliche Spiritualität ab? Das war die Ausgangsfrage eines Symposions, zum dem das Referat für spirituelle Entwicklung in der Arbeitsstelle für pastorale Fortbildung und Beratung der Diözese Hildesheim einlud. Zum ersten Mal wurde offiziell in kirchlichen Räumen das Gespräch mit Vertretern des Integralen Forums in Deutschland gesucht – und dankbar angenommen. Vielen Interessenten musste abgesagt werden.

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