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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

Kirche geht auch anders

von Ebba Hagenberg-Miliu vom 10.10.2014
In der Bonner St.-Petrus-Gemeinde haben seit einem Jahr auch Laien Leitungskompetenz. Jetzt zogen die Beteiligten eine erste Bilanz

Katholische Kirche geht auch anders. Davon sind am letzten Samstag im September zumindest vierzig frohgemute Katholiken der Bonner St.-Petrus-Gemeinde überzeugt. »Wir wollen einfach nicht mehr beseelsorgt werden, jetzt reden wir als Laien mit«, sagt ein Mann unter Beifall. Einen Studientag lang will er mit den Haupt- und den anderen Ehrenamtlichen seiner 8500-Seelen-Gemeinde Bilanz des ersten Jahres Equipe in St. Petrus ziehen.

Hinter dem französischen Wort für Mannschaft verbirgt sich ein aus der Erz diözese Poitiers importiertes Modell, das einem aus sechs Laien gebildeten Team unmissverständlich Leitungskompetenzen überträgt. Hier in Bonn sind das etwa ein Agraringenieur, eine Religionslehrerin, ein ehemaliger Banker, eine Ordensschwester. Die Equipe solle bei Beibehaltung der Gremien das rein hierarchische Prinzip in der Gemeinde aushebeln, hatte man sich 2013 vorgenommen. Als Motor des Gemeindelebens sollte sie wirken, Ideen und Talente ins Stadtviertel ausstrahlen lassen. Und dieses Viertel hier im Bonner Norden kann man in einigen Straßenzügen durchaus als sozialen Brennpunkt bezeichnen.

»Wir wollen für die Gemeinde mitentscheiden. Letztlich gab es vorher keine Plattform dafür«, sagt eine Frau. Nun sollen erste Ergebnisse formuliert werden. Und da heißt es ehrlich: Man fühle sich nur auf der ersten Teilstrecke des »Petrus-Weges« innerhalb eines Prozesses, der erst die gesamte Gemeinde verändern müsse. Sonst ergebe es keinen Sinn, eine solche Projektmannschaft für drei Jahre an den Start zu schicken – mit Verantwortungsbereichen wie »Gebet und Glauben feiern«, »Begegnung und Gastfreundschaft«, »Solidarität und Nächstenliebe« oder »Glaubenszeugnis und Glaubensvertiefung« sowie einer Moderatorin. Die sechs geben sich bescheiden. Sie stünden noch am Anfang: als Drehscheibe für Ideen, Impulsgeber, Austauschpartner für alle Teile der Gemeinde.

»Wir müssen noch weiter daran arbeiten, dass die Idee des gemeinsamen Priestertums aller Christen, wie sie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert wurde, auch in unseren Köpfen greift«, meint ein Mann aus der Runde. Ja, sie ertappe sich auch selbst noch manchmal dabei zu denken: »Schön, dass Sie da sind, aber wo ist denn der Pfarrer?«, bemerkt eine Frau kopfschüttelnd. Im Kreis wird gelacht.

Der Gemeindepfarrer sitzt wie seine Mitarbe

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