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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2014
Revolutionäre, wo seid ihr geblieben?
Der Herbst 1989 und sein Erbe
Der Inhalt:

»Die Lobby blockiert einen Wandel«

von Samuel Jambrek vom 10.10.2014
NachgefragtWas tun gegen hohe Mieten? Fragen an den Soziologen Andrej Holm

Publik-Forum: Herr Holm, warum steigen die Mieten in den deutschen Großstädten so stark an?

Andrej Holm: Zum einen gibt es immer mehr Singlehaushalte, somit wird mehr Wohnraum benötigt. Zum anderen sind auf dem Wohnungsmarkt aber auch immer mehr internationale Unternehmen präsent, die die Preise hochtreiben. Viele Eigentümer verfolgen heute ein kurzfristiges Vermietungskonzept und setzen auf schnelle Gewinne durch Mietsteigerungen und Umwandlungen in Eigentumswohnungen. Überdies wurden zahlreiche öffentliche Wohnungen privatisiert und die Fördermittel für den Wohnungsbau drastisch reduziert. Allein in den letzten fünf bis sechs Jahren sind die Mieten in Frankfurt, Berlin, München und Hamburg um etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Prozent gestiegen.

Die Bundesregierung will dies jetzt über eine »Mietpreisbremse« lösen. Bei Neuvermietungen sollen die Mieter nicht mehr als zehn Prozent über dem ortsüblichen Preis zahlen. Was halten Sie von dem Entwurf?

Holm: Für Leute mit durchschnittlichem Einkommen ist das sinnvoll, um eine bezahlbare Wohnung zu finden. Aber Personen, die kein Geld haben, sind auf billige Wohnungen angewiesen. Der Staat hat keine Idee, wie er diesen Menschen helfen könnte. Eine Studie in Berlin zeigt bereits, dass Haushalte mit wenig Geld kaum noch Wohnungen finden und immer öfter in überbelegten und schlechten Wohnungen leben müssen. Die vorgesehene Änderung, wonach Makler in Zukunft von den Vermietern bezahlt werden – die sie ja auch beauftragt haben –, ist dagegen sinnvoll.

Wie könnte man politisch eine Verbesserung erreichen?

Holm: Ein reines Gesetz wie die »Mietpreisbremse« kann keine Lösung des Problems sein. Zusätzliche Investitionen sind nötig. In der Vergangenheit hat man dies durch sozialen Wohnungsbau und durch kommunale Wohnungsunternehmen versucht. Diese Institutionen müssen weiter ausgebaut werden. Eine andere Wohnungspolitik wird aber von Lobbygruppen der Bauwirtschaft und Immobilienbranche bisher blockiert. Wer die Probleme wirklich lösen will, muss auch Mieterorganisationen und Basisinitiativen stärker in die Erarbeitung von Konzepten einbeziehen. Aus dieser Perspektive stimmt es mich hoffnungsfroh, dass die Mieter jetzt überall auf die Barrikaden gehen.

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