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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Leitbild, Werte und der Wille Gottes

von Hartmut Meesmann vom 11.10.2013
Die evangelische Kirche ringt um ihre Position zu Ehe und modernen Familienformen. Möglich ist eine neue Denkschrift

Nein, zurückgenommen wird sie nicht: die heftig umstrittene Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die Familie. Dazu gebe es keine Veranlassung, betont der Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider. Aber es wird aller Voraussicht nach eine weitere Stellungnahme des Rates zu diesem Thema geben. In ihr könnten Aspekte aufgegriffen werden, die in der Orientierungshilfe vernachlässigt wurden oder durch die sehr kontroverse Diskussion neu in den Fokus gerückt sind.

Eine zentrale Frage ist zum Beispiel die nach dem Wert gesellschaftlicher Institutionen wie zum Beispiel der Ehe. Führt die in der Orientierungshilfe erfolgte Anerkennung der verschiedenen Familienformen, in denen die Menschen heute leben, nicht zu einer problematischen Abwertung der Ehe – verstanden als lebenslange Partnerschaft von Frau und Mann samt Kind(ern)? So wurde kürzlich auf einem theologischen Symposion, zu dem der Rat der EKD nach Berlin eingeladen hatte, kritisch gefragt.

Vor allem der Heidelberger Systematiker Wilfried Härle, ehemals Vorsitzender der EKD-Kammer für Öffentliche Verantwortung, beharrt darauf, dass – auch biblisch gesehen – die auf Dauer angelegte Lebenspartnerschaft einer Frau und eines Mannes »im Zentrum« stehen müsse, und nur »innerhalb dieses gesellschaftlichen Leitbildes Raum für andere Lebensformen« sei. Härle hat nichts gegen die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle, denn sie biete diesen Menschen einen rechtlichen Schutz; sie dürfe aber nicht auf eine Stufe mit der Ehe gestellt werden. Nein also zur »Homo-Ehe«. Respekt ja, Anerkennung nein. Lebensdienliche Institutionen wie die Ehe dürften nicht beliebig verändert werden. Härle erkennt in der Ehe den »Willen Gottes für das Zusammenleben der Menschen«.

Dem hielt die Hamburger Neutestamentlerin Christine Gerber entgegen, dass es den biblischen Autoren nicht um die Institution Ehe gehe, sondern immer um die konkreten Beziehungen der Menschen. Dabei seien Liebe und Gerechtigkeit zentrale Leitwerte. »Welche Lebensformen dem biblischen Beziehungsethos entsprechen, ist nicht zeit- und kulturübergreifend zu sagen«, so Gerber, die auf dem Symposion den längsten Beifall der rund 120 Teilnehmenden erhielt.

Auch der hessische Kirchenpräsident Volker Jung, Mitglied in der Arbeitsgruppe, die für die Orientierungshilfe verantwortlich zeichnet,

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