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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Die Bewährungsprobe

von Hans Küng vom 11.10.2013
Papst Franziskus muss jetzt die Situation der Geschiedenen, der Frauen und der Priester in seiner Kirche grundlegend verbessern. Sonst scheitert sein Projekt einer »Kirche der Armen«

Papst Franziskus zeigt Zivilcourage: Nicht nur durch sein furchtloses Auftreten in den Favelas von Rio. Auch durch die Aufnahme eines offenen Dialogs mit nichtgläubigen Kritikern. So schreibt er eine offene Antwort an den führenden italienischen Intellektuellen Eugenio Scalfari, Gründer und langjähriger Chefredakteur der großen linksliberalen römischen Tageszeitung La Repubblica. Keine päpstliche Belehrung, sondern ein freundlicher Austausch von Argumenten auf gleicher Augenhöhe.

Unter den zwölf für Scalfari offen gebliebenen Fragen scheint mir die vierte für eine reformbereite Kirchenleitung von besonderer Wichtigkeit zu sein: Jesus sah sein Reich nicht von dieser Welt: »Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist.« Gerade die katholische Kirche aber sei allzu oft der Versuchung nach weltlicher Macht erlegen und habe zugunsten der Weltlichkeit die geistliche Dimension der Kirche verdrängt. Scalfaris Frage: »Repräsentiert Papst Franziskus schließlich doch den Vorrang einer armen und pastoralen Kirche vor einer institutionellen und verweltlichten Kirche?«

Halten wir uns an die Fakten:

Papst Franziskus hat von Anfang an auf päpstlichen Pomp und Protz verzichtet und hat den spontanen Kontakt mit dem Volk gesucht.

In seinen Worten und Gesten hat er sich nicht als geistlicher Herr der Herren, sondern als der »Diener der Diener Gottes« (Gregor der Große) präsentiert.

Er hat angesichts zahlreicher Finanzskandale und der Raffgier von Kirchenmännern entschiedene Reformen der Vatikanbank und des Kirchenstaates initiiert und eine transparente Finanzpolitik gefordert.

Er hat durch die Einsetzung einer Kommission von acht Kardinälen aus den verschiedenen Kontinenten die Notwendigkeit der Kurienreform und die Kollegialität mit den Bischöfen betont.

Das Evangelium verlangt es

Aber die Bewährungsprobe als Reformpapst steht ihm noch bevor. Dass für einen lateinamerikanischen Bischof die Armen in den Vorstädten der großen Metropolen im Vordergrund stehen, ist verständlich und erfreulich. Doch kann ein Papst der Gesamtkirche nicht übersehen, dass in anderen Ländern andere Gruppen von Menschen, die unter anderen Form

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