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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Zeichen gegen die Angst

von Thomas Seiterich vom 05.10.2012
Pfarrei-Initiative in der Schweiz rechtfertigt Ungehorsam

Von »Ungehorsam« gegenüber römischem Starrsinn und päpstlichem Dogmatismus müssen sie nicht viel reden: Sie praktizieren diesen Ungehorsam bereits. Einen Ungehorsam, der sich an der biblischen Befreiungsbotschaft ausrichtet und der den Glauben als echte Frohbotschaft für die Menschen von heute verkünden möchte.

Über 200 katholische Seelsorger in der Schweiz haben sich der Pfarrei-Initiative angeschlossen (Publik-Forum 18/12). Diese wurde durch die Pfarrer-Initiative in Österreich um Helmut Schüller inspiriert. In einer Mitteilung, unterzeichnet von vier Seelsorgern als Kontaktpersonen, machen sie nun öffentlich, »was in ihren Pfarreien selbstverständlich und bewährte Praxis ist«. Damit wollen sie »ein Zeichen gegen die Angst« setzen.

Konkret heißt dies: In den Pfarrgemeinden dieser Priester und Seelsorger nehmen alle Getauften an der Eucharistie teil – auch Christen anderer Konfessionen und wiederverheiratete Geschiedene. In der katholischen Kirche der Eidgenossenschaft stehe die Seelsorgepraxis, so schreiben sie, bereits seit einiger Zeit »an einem anderen Ort, als die offiziellen Richtlinien es vorsehen«. Diese Praxis sei nicht »Einzelfall, sondern die Regel«.

Die Pfarrei-Initiative belegt, dass immer mehr Seelsorger es als »Gebot der Wahrhaftigkeit« empfinden, diese Realität klar zu benennen. Die Mitglieder folgten der Maxime, dass man »Gott mehr gehorchen muss als den Menschen« (Apostelgeschichte 5, 29). Daher nehmen es die Pfarrer in Kauf, dass ihnen – etwa vom erzkonservativen Churer Bischof Vitus Huonder – Kirchenzerstörung vorgeworfen wird, weil sie jene Reformen umsetzen, die dem biblischen Auftrag entsprechen, auch wenn Rom diese Erneuerung verweigert. Die Mitglieder zeigen sich »nach reiflicher Prüfung des Gewissens« überzeugt, »dass Jesus von Nazareth solidarisch und ohne Grenzen jedem Menschen das Heil zeigt«.

Kritik übt die Pfarrei-Initiative an den von den Bischöfen angeordneten stark vergrößerten Pastoralräumen. Wenn ein Pfarrer sieben Pfarreien betreuen müsse, sei er damit völlig überfordert. Auch werde damit das kirchliche Leben am Ort erheblich erschwert. Laut Statistik der Bischofskonferenz bestehen für die 3,2 Millionen Katholiken in der Schweiz noch 1647 Pfarreien, die von 1566 Diözesan- und 1097 Ordenspriestern betreut werden

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