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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
Aufbrechen.
Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

Vom Kopf auf die Füße

von Lothar Bauerochse vom 09.10.2009
Zukunftswerkstatt der Evangelischen Kirche in Kassel wollte die Vernetzung neuer Ideen und Projekte – und hatte Erfolg damit

Wir sind im Aufbruch!« Dynamisch schallt die Stimme von Bischof Wolfgang Huber über den Platz vor dem Kasseler Hauptbahnhof. Auch vier Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzender hat er von seinem Elan nichts verloren. Im Gegenteil: Die drei Tage, die hinter ihm lagen, hatten ihn noch einmal beflügelt: »Das Leben unter Gottes Sonne kennt keinen Stillstand«, ruft Huber.

Keinen Stillstand gab es deshalb auch am Ende der EKD-Zukunftswerkstatt in Kassel. Die 1200 Delegierten bewegten sich, zogen in einer Art Prozession – die Protestanten nannten es bescheiden »Stationenweg« – vom Kasseler Kongress-Palais zum Kulturbahnhof, machten Halt bei einer Kirche, auf einem Platz und an einer Schule. Auch die katholische Kirche St. Familia war Station, von da ab schloss sich Paderborns katholischer Erzbischof Hans-Josef Becker dem protestantischen Marsch an. Und der Bundespräsident. Am Ende gab Horst Köhler den Teilnehmern drei knappe Sätze mit auf den Weg: »Haben Sie Zuversicht! Gehen Sie weiter! Nehmen Sie andere mit!« Die Gesellschaft sei angewiesen auf das »Profil christlicher Weltdeutung«, sagte Köhler. Wenn sich die Kirchen den Fragen der Menschen zuwendeten, dann würden sie auch wieder attraktiv werden für viele.

Die EKD-Zukunftswerkstatt war eine Art Zwischenbilanz des Reformprozesses, den der Rat der Evangelischen Kirche vor drei Jahren angestoßen hatte mit dem sogenannten Impulspapier »Kirche der Freiheit«. Für den Berliner Bischof Wolfgang Huber noch einmal eine Gelegenheit, energisch für die Notwendigkeit von Reformen zu werben. Er sieht die evangelische Kirche in einer doppelten Milieugefangenschaft: Zu »überlasteten Müttern« falle der Zugang ebenso schwer wie zu »verbitterten Hartz-IV-Empfängern«, rief er im noblen Kasseler Kongress-Palais. Die Opfer der Globalisierung zu erreichen sei genauso schwer, wie ihre Akteure zu beeinflussen. Huber sprach von »Berührungsängsten« sowohl gegenüber denen, die an den Rand geraten, wie auch denen, die in Entscheidungszentren und Verantwortungsberufen tätig seien.

Zu dieser sozialen Milieuverengung komme noch eine geistliche hinzu. Und die sei besonders besorgniserregend: »Wir wollen dem Volk aufs Maul schauen, aber wir hören nicht, was es sagt. Wir kennen den Kummer vieler

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