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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
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Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

»Der nächste Crash kommt bestimmt«

von Claudia Mende vom 09.10.2009
Wie die Finanzmärkte wirklich stabilisiert werden könnten. Fragen an Thomas Jorberg, Chef der GLS-Bank

Auf dem G20-Gipfel haben die führenden Länder der Welt beschlossen, dass Banken ab 2012 mehr Eigenkapital einlegen müssen. Sind die Banken dann sicher vor dem nächsten Crash?

Thomas Jorberg: Nein. Diese pauschale Verschärfung des Eigenkapitals stellt eher ein Problem dar, als dass sie nützlich wäre. Das Kerngeschäft von Banken, also das Hereinnehmen von Einlagen und das Ausgeben von Krediten, hat die Krise nicht verursacht. Dieses Geschäft wird aber von der neuen Regelung erheblich beeinträchtigt.

Aber riskante Geschäfte werden doch für die Banken weitaus weniger attraktiv, wenn diese dafür viel mehr Eigenkapital vorhalten müssen.

Jorberg: Das wage ich zu bezweifeln. Wenn solche Geschäfte ertragreich sind und wenn die Eigenkapitalrendite weiter so hoch bleiben soll, wird diese neue Regel gerade zu riskanten Geschäften führen. Man sollte wirklich nur diese hoch spekulativen Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen. Außerdem reicht dieser Beschluss nicht aus, wir brauchen weitere Regeln, um riskante Geschäfte zu vermindern.

Welche Regeln meinen Sie?

Jorberg: Die Probleme für das Finanzsystem sind beim rein abstrakten Geschäft entstanden, dort, wo Geld mit Geld gemacht wird. Dort, wo nur die Spekulation eine Rolle spielt, bei Hedgefonds, Leerverkäufen oder Kreditverbriefungen, die international gehandelt werden. Auf dem Gipfel der Krise hat der Staat zum Beispiel Leerverkäufe verboten, jetzt sind sie wieder erlaubt. Es müsste mehr Regeln bis hin zu Verboten geben, sonst kann man das System nicht stabilisieren.

Also bestimmte Geschäfte einfach verbieten?

Jorberg: Geschäfte, die eindeutig nicht der Realwirtschaft dienen, aber enorme Schäden anrichten können, sollte man tatsächlich verbieten.

Kreative Banker finden doch immer neue Schlupflöcher.

Jorberg: Wir brauchen eine breite Diskussion darüber, welche Existenzberechtigung der Finanzmarkt überhaupt hat. Für mich hat er nur eine einzige und das ist die Versorgung von Unternehmen, Privatpersonen und Staat mit Geld. Darüber wird aber nicht gesprochen.

Das bedeutet doch: Der nächste Crash kommt bestimmt?

Jorberg:

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