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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
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Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

»Das ist mein Traum«

von Thomas Bastar vom 09.10.2009
In der Allmende Wulfsdorf am Rande von Hamburg leben 250 Menschen in einer umweltgerechten und sozialen Gemeinschaft

Wer die Allmende Wulfsdorf besuchen will und ökologisch korrekt ohne Auto anreist, hat einen längeren Fußweg vor sich. Von der U-Bahn-Station Buchenkamp führt der Weg vorbei an gepflegten Vorgärten und großen Einfamilienhäusern, über einen kleinen Bach mit moorig dunklem Wasser und an Wiesen entlang, auf denen Kühe und Schafe grasen. Linker Hand liegt das Demeter-Gut Wulfsdorf. Dort ist vor neun Jahren die Idee entstanden, aus den leerstehenden Gebäuden eines ehemaligen Jugendausbildungszentrums ein soziales und ökologisches Wohnprojekt zu machen.

Nach zwanzig Minuten zu Fuß erreiche ich die Öko-Siedlung am Hamburger Stadtrand. Am Eingang liegt ein großer Parkplatz. Das Dorf selbst ist autofrei. Viele Fahrräder stehen neben dem Weg. Heute noch mehr als sonst, denn die »Allmendianer« haben Nachbarn und Neugierige zum »Markt der Talente« eingeladen. Bunte Wimpel flattern über dem Hauptweg. Kinder holpern mit ihren Fahrrädern über die Wiesen zwischen den Häusern. In der Sport- und Festhalle zeigen Kunsthandwerker ihre Waren, von Kerzen und Lederarbeiten bis zu Dinkelkissen und Teddybären. Einige haben ihre Werkstatt auf dem Allmende-Gelände.

Am Kuchenstand steht Christine Pflug. Die 52-Jährige lebt seit der Gründung mit ihrem Mann im Ökodorf. Ihr gefällt die Vielfalt der Bewohner: »Hier wohnen Ökos, Linke, Alt-68er, Buddhisten und Leute aus anderen spirituellen Richtungen.« Dorfprojekten wie der Allmende gehöre die Zukunft, weil der Familienzusammenhang immer häufiger zerbrösele, ist sie überzeugt. In der Allmende trifft sich zur Silvesterfeier und zum Osterfeuer meist das ganze Dorf, auch Geburtstage werden oft gemeinsam mit allen Hausbewohnern gefeiert. »Wir unterstützen uns, wenn jemand krank oder das Auto kaputt ist und kochen einmal im Monat zusammen«, umreißt Pflug die konkrete Nachbarschaftshilfe. »Wenn man durchs Dorf geht, ist immer etwas los. Kinder zeigen ihren neuen Roller, und man findet immer Leute für ein Gespräch.«

So laut und lebendig wie beim »Markt der Talente« ist es im Ökodorf allerdings nicht immer. Als ich an einem normalen Werktag komme, liegt ländliche Stille über der Siedlung. Die Kinder sind im Kindergarten oder der Schule, die Erwachsenen bei der Arbeit. Karl Fischer aber ist pensioniert und hat Zeit für ein Gespräch. »Dort ist Haus Morgentau, das ist das Alleehaus, und dieses heißt Sterntaler«, zeigt der weißh

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