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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
Aufbrechen.
Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

Das Leben nach der Hölle

von Norbert Copray vom 09.10.2009
Auslandseinsätze: Gespräche mit traumatisierten Soldaten

Leah Wizelman Wenn der Krieg nicht endet Schicksale von traumatisierten Soldaten und ihren Angehörigen. Balance. 217 Seiten. 14,95 €

Deutlich zugenommen hat im ersten Halbjahr 2009 die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die nach einem Auslandseinsatz psychisch erkrankt sind. Um dreißig Prozent sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum die Erkrankungen der Soldatinnen und Soldaten angestiegen. Allein in Afghanistan sind 4500 deutsche Militärs tätig. Über die Schicksale dieser Männer und Frauen nach dem Einsatz wird wenig, zu wenig gesprochen.

Die Spezialistin für seelisch-körperliche Stressreaktionen, Leah Wizelman, hat in den letzten Jahren viele Interviews mit Soldatinnen und Soldaten sowie deren Angehörigen geführt. Sie hat 21 Selbstaussagen von Soldaten und Angehörigen in diesen Band aufgenommen. Darunter sind neben den Deutschen auch Mitglieder der kanadischen, der australischen und der US-amerikanischen Streitkräfte. Wizelman möchte mit ihrem Buch auf Störungen aufmerksam machen, die durch einen militärischen Auslandseinsatz entstehen können. Sie zeigt, wie sich jemand fühlt, der an den Folgen eines Auslandseinsatzes leidet.

Es geht um einen Krieg, der unter Umständen nicht aufhört, sondern in den Militärs weitergeht, auch wenn äußerlich Ruhe eingekehrt ist. Und das versetzt auch das persönliche Umfeld mitunter in Angst, Schrecken und Leid. Es geht um »posttraumatische Belastungsstörungen« (PTBS), die sich in der Folge kaum oder nicht zu bewältigender Stressfolgen einstellen können.

Typisch ist, dass sich die übermenschliche Belastung erst nach der eigentlichen seelischen Verwundung oder Überlastung verzögert zeigt. Dabei werden schreckliche Ereignisse und ihre Begleitumstände immer wieder durchlebt in Alpträumen, Illusionen und Flashbacks, bei denen Erinnerungen in Form von Bildfetzen einen Betroffenen jäh überkommen. Dann wird möglichst alles vermieden, was Erinnerungen wachruft, seien es Gerüche, Stimmen oder Orte. Der Bewegungsraum schränkt sich massiv ein. Betroffene reagieren nicht auf Kommunikation, zärtliche Gefühle und starke Emotionen. Oder sie sind übererregt und dadurch ständig auf der Hut, schlaflos, reizbar und aggressiv. Eine Integration in das gewohnte soziale Umfeld ist erschwert oder gar unmöglich. Eine Betroffene: »Es war die Hölle.«

Die Berichte der Betroffenen s

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