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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
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Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

Alexandraistweitweg

von Elisabeth Wellershaus vom 09.10.2009
Die Bewohnerinnen in den Hostels in Johannesburg leben unter menschenunwürdigen Bedingungen, doch sie wollen dort bleiben, denn draußen in den Townships lauert die größere Gewalt

Es raschelt und knistert. Dann huscht ein grauer Schatten vorbei. Mit der Kamera im Anschlag schleicht Davina Jogi sich an eine Mülltonne heran. »Drei sind noch drin«, flüstert sie und drückt auf den Auslöser. Ein paar Mal hört man das mechanische Klicken. Dann flüchten die restlichen Ratten in den Korridor.

Am Ende des Ganges blitzt Sonnenlicht durch einen schmalen Spalt. In dem Durchgang, der auf einen spärlich begrünten Hof führt, stapelt sich der Müll. Bunte Plastiktüten, aus denen Essensreste und allerlei Unrat quellen, leuchten mit der Kleidung an den Wäscheleinen um die Wette. Im lauen Sommerwind schaukeln Röcke und Hemden über den Köpfen von drei schläfrigen alten Damen. Wieder hebt Davina Jogi die Kamera. Und drückt ab.

Mitte des vergangenen Jahres begann die Fotografin mit ihrer Serie über das Helen Joseph Hostel für Frauen. Die Unterkunft gehört zu den vielen Wohnheimen für Arbeitsmigranten in und um Johannesburg. Nachdem ihre Geschichte lange verdrängt wurde, haben die Fotoschule Market Photo Research und die Nichtregierungsorganisation Khanya College die Lebens- und Wohnverhältnisse der Arbeiter nun endlich dokumentiert. Denn viele ihrer Unterkünfte, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden sind, sind noch immer in Gebrauch. Und sie veranschaulichen die dramatischen Entwicklungen, die seit dem offiziellen Ende der Apartheid stattgefunden haben, wie sonst kaum eine öffentliche Einrichtung.

Industrie und Stadtverwaltung hatten die Behausungen für Minenarbeiter und städtische Angestellte einst bauen lassen. Meist in der Nähe der Industriegebiete, doch weitab von den weißen Communitys, lebten schwarze Arbeiter aus allen Teilen Südafrikas und aus den Nachbarländern.

Als 1991 neue Gesellschaftsstrukturen im Postapartheid-Südafrika entstehen, verändert sich auch die Situation in den Hostels. Die politische Situation ist unsicher, und die Spannungen zwischen den Ethnien wachsen. So wohnen in einigen Hostels in und um Johannesburg fast nur noch Zulus. Jene, die in den Townships leben, schließen sich der ANC-feindlichen Zulu-Partei Inkatha an und werden von der ehemaligen Apartheidregierung rekrutiert, um Unruhe in der Nachbarschaft zu stiften. So bekriegen die Hostel-Zulus in vermeintlich ethnisch motivierten

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