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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2019
Vision einer neuen Kirche
Von Maria 2.0 zur ersten Päpstin
Der Inhalt:

Auto- Dämmerung

von Barbara Tambour vom 20.09.2019
Die Autokonzerne bleiben ihren Maximen »schneller, größer, teurer« treu. Dabei brauchen wir nicht mehr, sondern viel weniger Autos. Vor allem in den Städten

Die Messestände der Automobilkonzerne bei der diesjährigen IAA in Frankfurt waren etwas kleiner, ihre Auftritte ein wenig bescheidener als in den Vorjahren. Die Auto-Manager und ihr Lobbyverband VDA gaben sich allenthalben umweltbewusst. Denkt die Automobilbranche etwa um? Ist sie auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität, wie VW-Chef Herbert Diess behauptete, als er sagte: »Die Automobilindustrie hat die Zeichen der Zeit verstanden. Für uns ist der Klimawandel das Hauptthema.«

Schön wär’s. Doch leider sprechen die Fakten eine andere Sprache. Von einem Umdenken kann nicht die Rede sein. Natürlich gibt es die neuen Elektro- oder Hybrid-Modelle. Welchen Stellenwert sie haben, sah man auf der IAA beispielsweise am Daimler-Stand (siehe auch Seite 50): Eher am Rand wurden kleine elektrische Smart-Wagen gezeigt, im Zentrum standen die mächtigen SUV, etwa das SUV-Coupé GLE – fünf Meter lang, fast zwei Meter breit, mehr als zwei Tonnen schwer.

Für die verschärften CO2-Grenzwerte ab 2021 scheinen sich die Automanager nicht zu interessieren, denn die sind mit diesen protzigen SUV nicht zu schaffen. Laut EU darf ein Neuwagen künftig maximal 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel oder 4,1 Liter Benzin. Diese Grenzwerte sind Fluch und Segen zugleich: Sie beziehen sich nicht auf einzelne Modelle, sondern auf den Durchschnitt der gesamten Fahrzeugflotte. Die Hersteller müssen deshalb emissionsfreie Elektroautos bauen, um die Flottengrenzwerte einzuhalten, sonst drohen hohe Strafzahlungen. Das Problem dabei: Sie richten sich auch nach dem Gewicht der Fahrzeugflotte: Je schwerer die Autos, desto höher der Grenzwert. Deshalb schrauben ausgerechnet emissionsfreie, aber schwere Elektroautos die CO2-Messlatte in die Höhe. Es besteht also kein Anreiz, leichte Autos zu bauen. Das heißt im Umkehrschluss: Mehr verkaufte Elektroautos bedeuten auch mehr spritfressende SUV, weil für jedes als emissionsfrei geltende Elektroauto ein Wagen verkauft werden darf, der den Grenzwert um hundert Prozent übersteigt und mit dem die Konzerne deutlich mehr Rendite machen als mit Elektroautos.

So sehr sich die Autobauer ein Umweltmäntelchen umhängen: Ihrer Strategie – mehr Autos bauen, größere und schnellere – bleiben sie tr

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