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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2018
Geld sauber anlegen
Wie es geht. Was es bringt. Worauf man achten muss
Der Inhalt:

Bürgerbahn statt Börsenwahn

Bahnchef Richard Lutz beklagt in einem Brandbrief die desolate Lage der Deutschen Bahn. Sie ist die Folge einer verfehlten Verkehrspolitik

Der Chef der Deutschen Bahn hat die Notbremse gezogen. In einem aktuellen Brandbrief an seine Führungskräfte benennt Richard Lutz die massiven Probleme des Konzerns und macht deutlich: Die Situation der Bahn ist furchterregend. Sie habe »breite und tiefe operative Schwächen«, ihre »wirtschaftliche Stabilität« sei ernsthaft in Gefahr. In diesem Jahr, so Lutz in dem Brandbrief, habe sich die prekäre Lage noch weiter zugespitzt, die geplanten Gewinne würden nur in wenigen Geschäftsfeldern erreicht, die Verschuldung des Konzerns liege mit 19,7 Milliarden Euro nur noch knapp unter der vom Bund gesetzten Obergrenze. Und die Kunden müssten das ausbaden.

Alle, die mit der Bahn unterwegs sind, werden das leidvoll bestätigen: Die Züge sind überfüllt, der Service in den Bahnhöfen wird immer weiter abgebaut, Verspätungen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern fast schon die Regel. Bahnchef Lutz aber hat seinen Brief an die Falschen adressiert, denn die Schuld an der Misere liegt weniger bei den Bahn-Mitarbeitern als in einer Verkehrspolitik, die die falschen Ziele verfolgt.

Schon seit 1994 fährt der Zug in die falsche Richtung: Damals wurde die Deutsche Bundesbahn, die bis dahin im Eigenbetrieb des Bundes organisiert und nach der Wiedervereinigung mit der Deutschen Reichsbahn fusioniert worden war, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Ihr Erfolg wurde fortan nicht mehr an der Dichtheit des Streckennetzes und dem Nutzen für die Bevölkerung gemessen, sondern am Gewinn. Als Aktiengesellschaft wurde die gute alte, immer etwas miefige Bundesbahn zwar erst einmal schicker und moderner, das Personal flexibler und kundenorientierter. Doc