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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Integration ist ein Marathonlauf

von Claudia Mende vom 22.09.2017
Wie viele Flüchtlinge haben inzwischen Arbeit? Wie gut sprechen sie Deutsch? Wie viele leben in einer eigenen Wohnung? Eine Bilanz – zwei Jahre nach dem »Flüchtlingssommer« 2015, als Angela Merkel die Grenzen öffnete

Die 16-Jährige Rayan Malhis sitzt auf dem breiten Sofa im Wohnzimmer ihrer Familie in München und strahlt. Denn seit diesem Schuljahr geht sie mit ihren beiden Schwestern auf die Realschule. Die Aufnahmeprüfung haben alle drei geschafft: Rayan, ihre Zwillingsschwester Rasan und die ein Jahr jüngere Raneem. Der Krieg in ihrer Heimat Syrien habe ihnen viel Zeit gestohlen: Zwei Jahre lang konnten sie in Aleppo nicht zur Schule gehen. Jetzt haben die Mädchen ehrgeizige Pläne. Erst die mittlere Reife, dann Abitur. Sie wollen studieren, Apothekerin, Architektin und Biologin werden, erzählen sie in fehlerfreiem Deutsch.

Im Oktober 2015 sind sie zusammen mit ihrer Mutter Husna und dem kleinen Bruder nach Deutschland gekommen. Der Vater, Annas Malhis, war schon ein Jahr zuvor über die Balkanroute ins Land gekommen. Nach der Ankunft in Bayern hat eine arabische Familie, die schon lange in München lebt, alle sechs für zehn Tage aufgenommen. Dann half ihnen ein Helferkreis bei der Wohnungssuche. Jetzt wohnt die Familie im Norden Münchens in einem Neubaugebiet und versucht sich in ihrem neuen Leben so gut wie möglich einzurichten.

Als die Familie Malhis im Herbst 2015 nach München kam, suchten Hunderttausende Zuflucht in Deutschland. Rund 1,2 Millionen Menschen waren es 2015 und 2016. Auch wenn nicht alle von ihnen auf Dauer hierbleiben wollen, ist ihre Integration seitdem Dauerthema. Ob sie gelingen wird oder nicht, wird man erst Jahrzehnte später beurteilen können. Zwei Jahre nach dem Sommer der Willkommenskultur lassen sich aber erste Anhaltspunkte finden, ob die richtigen Weichen gestellt wurden. Wie sieht es aus mit Wohnraum, Sprachkursen und Arbeitsmöglichkeiten?

Die allermeisten Geflüchteten durften die Sammelunterkünfte inzwischen verlassen und sich nach einer Wohnung umsehen. Verlässliche Daten dazu gibt es jedoch nicht. Die Familie Malhis hatte Glück, schnell etwas Passendes zu finden. Aber die angespannte Wohnsituation in den Ballungsräumen wird ein zentrales Thema der kommenden Jahre. Menschen mit geringen Einkommen drohen angesichts der explodierenden Mieten an die Stadtränder verdrängt zu werden. Für Bewerber mit ausländisch klingenden Namen ist es besonders schwierig, wie eine Untersuchung von BR Data und Spiegel Online ergeben hat. Das ist vor allem langfristig ein Problem, wenn die Entstehung sozialer Bre

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