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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

»Franziskus hat keine Angst«

von Ulrich Harbecke vom 25.09.2015
Vor zwanzig Jahren fiel Bischof Jacques Gaillot im Vatikan in Ungnade. Jetzt lud ihn der Papst zu einem Gespräch ein. Es wurde kein Verhör

Publik Forum: Herr Bischof, wie war die Atmosphäre Ihrer Begegnung?

Jacques Gaillot: Der Papst hatte mich in die Casa Santa Marta, seine Wohnung, eingeladen. Da waren keine hohen Herren in Violett, nur zwei zivile Wächter. Sie baten mich und den Priester, der mich begleitete, einzutreten, sehr freundlich, ohne Kontrollen. Im Eingangsraum standen einige Sessel, keine Blumen, alles war sehr sparsam. Ich erwartete, dass man mich ins Büro des Papstes rufen würde. Dann ging eine Tür auf: Er war es selbst, lachte und sagte »Guten Tag«. Wir setzten uns nebeneinander, und er sagte: »Wir sind Brüder.«

Zwanzig Jahre Ausgrenzung und nun eine warmherzige Einladung: Ist das ein Geschenk zum achtzigsten Geburtstag – oder mehr?