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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

Nachgefragt: Einheitsfeiernein danke?

vom 25.09.2015
Fragen an Sebastian Pflugbeil, der die Einladung zum Festakt 25 Jahre Deutsche Einheit abgelehnt hat

Publik-Forum: Herr Pflugbeil, Sie haben die Einladung zum Festakt am 3. Oktober abgelehnt. Was ist Ihr Unbehagen?

Sebastian Pflugbeil: Mein Unbehagen bei den wiederholten Feierlichkeiten am 3. Oktober ist, dass wichtige Forderungen von 1989 seit dem Beitritt beiseiteerinnert werden. Ich würde sofort nach Frankfurt am Main fahren, wenn es möglich wäre, dort die positiven Entwicklungen zu feiern, sich aber auch darauf einzulassen, was aus unseren Träumen von 1989 geworden ist.

Um welche Fragen geht es Ihnen?

Pflugbeil: Ich nenne wenige: Damals war das Wichtigste, das vermurkste Verhältnis von uns Bürgern zu unserem Staat grundlegend zu verändern. Wer will heute behaupten, dass die Kommunikation zwischen Staat und Gesellschaft funktioniert? Sind wir mit der heutigen Parteienkungelei wirklich zufrieden? Was ist mit den skandalösen TTIP-Geheimverhandlungen, mit den Bankenrettungsaktionen, mit der Begünstigung der Reichen und der Schröpfung der überwiegenden Mehrheit der Bürger? Sind wir froh darüber, dass Regierungsmitglieder mit Lügen die Zustimmung zu Kriegseinsätzen erschwindelten? Dass immer noch Atomwaffen der USA in Deutschland liegen? Sind wir zufrieden damit, dass nicht die Stasi, sondern andere unsere Telefongespräche abhören? Sind wir mit der Information durch die Medien noch zufrieden? Wir haben bis heute keine Verfassung, die von den Bürgern diskutiert und bestätigt worden wäre. Der Entwurf des Zentralen Runden Tisches landete im Papierkorb.

Katapultieren Sie sich nicht ins Abseits: Die ewig nörgelnden Bürgerrechtler?

Pflugbeil: Ihre Frage enthält einen Teil des Problems. In der DDR gab es einen Stempel für Bürger, die den Mund in unerwünschter Weise aufmachten: »Klassenfeind«. Die Stempelfarbe ging schwer wieder ab. Heute ist das Stempeln nicht etwa abgeschafft, es ist zu einem einträglichen Geschäft geworden: Rechtsextrem, Linksextrem, Antisemit, Islamophob, Homophob, Amerikafeind, Putinversteher, Pazifist, Sexist, Rassist, Neonazi, Terrorist – die Liste ist lang und die Stempel schrecken erstaunlich wirksam davon ab, sich in bestimmte Diskussionen einzumischen.

Sie sind zurzeit in Japan, wo gegen die Militarisierung demonstriert wird.

Pflugbeil: Ich habe zw

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