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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Ich Supergott im Internet

von Fabian Maysenhölder vom 26.09.2014
Wir sind allwissend. Wir sind allgegenwärtig. Wir sind die Schöpfer neuer Welten. Doch macht uns der nie versiegende Datenstrom im Netz wirklich zum Gott aller Dinge?

Das Smartphone ist mein externes Gehirn«, sagte einmal ein Bekannter. Und in der Tat: Den Stellenwert eines Körperteils, den man besser nicht vergessen sollte, hat es bei vielen schon lange inne. Ob in der U-Bahn, an der Bushaltestelle oder an der Kasse im Supermarkt – das »schlaue Telefon« ist immer griffbereit. Es wird exzessiv genutzt. So manch einer scheut nicht einmal davor zurück, beim abendlichen Bier mit Freunden im Fünf-Minuten-Takt seine E-Mails zu checken.

Doch das Smartphone an sich wäre gar nicht mehr als ein einfaches Telefon, gäbe es nicht das Internet, das uns immer und überall umgibt. Der Kommunikationstheoretiker Marshall McLuhan hat schon vor fünfzig Jahren – lange bevor das Internet im Gespräch war – Medien als Erweiterungen unserer Sinne bezeichnet. Das Internet bewahrheitet diese Beschreibung wie kein anderes Medium zuvor. Mehr noch: Es ist zu einem nicht personifizierten Gott geworden, der alles weiß. Der immer da ist, wenn wir unsere Sorgen loswerden wollen – dank Smartphone, Google Glass oder der iWatch haben wir jederzeit die Möglichkeit, mit diesem Gott zu kommunizieren.

Das Medium Internet erweitert nicht nur unsere Sinne. Es ist zu einem Teil unseres Alltags geworden – und vielleicht bereits zu einem Teil unserer Identität. Wir selbst bekommen Fähigkeiten, die man zweifelsohne als göttlich bezeichnen kann.

Wir sind allgegenwärtig. Der Kurznachrichtendienst Twitter etwa lässt uns – ob mit Text, Video oder Bild – an Geschehnissen an jedem beliebigen Ort der Welt teilhaben. Wir können problemlos mit den Menschen vor Ort kommunizieren: Gefühle, Eindrücke und Gedanken sind nur einen Mausklick entfernt. Livestreams nehmen uns mit hinein in Großveranstaltungen auf anderen Kontinenten. Und Video-Chats ermöglichen es, an Heiligabend bei Verwandten in Amerika mit am Tisch zu sitzen. Die Vernetzung der Welt lässt uns an jedem beliebigen Ort sein. Wenn auch nicht körperlich, so doch mit den meisten unserer Sinne.

Wir sind allwissend. Früher war Wissen teuer und nicht sofort verfügbar. Schwere Bücher mussten gekauft, geschleppt und gelesen werden. Heute reicht es, in das Mikrofon des Smartphones zu fragen, wer der erste Bundeskanzler war. Es wird zunehmend zur Zeitverschwendung, sich Informationen dauerhaft anzueignen. Bis die Synapsen im Ge

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