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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Verstümmeltes Leben

von Tanja Tricarico vom 27.09.2013
Europaweit einmalig: Zentrum hilft beschnittenen Frauen

Lange hatte die Familie für diesen Festtag gespart. Sie wollten tanzen, essen, lachen. Das ganze Dorf sollte die kleine Rakieta Poyga feiern. Doch die Schreie, das Blut, das Gesicht der Beschneiderin, die sich über die Vagina des Mädchens beugt, haben den Tag in Rakieta Poygas Gedächtnis ausgelöscht. Nur die Schmerzen sind geblieben.

Rakieta Poyga aus Burkina Faso gehört zu den rund 125 Millionen Frauen weltweit, die an den Folgen der Genitalverstümmelung leiden. Je nach Ritus werden jeder Gang auf die Toilette und jeder Geschlechtsverkehr zur Qual. In Ländern wie Dschibuti, Guinea, Somalia oder Ägypten werden weiterhin mehr als neunzig Prozent der Mädchen beschnitten. Hilfsorganisationen wie Terre des Femmes zufolge leben in Deutschland mehr als 20 000 beschnittene Frauen.

»Ein minimaler Eingriff kann den Frauen helfen«, sagt Roland Scherer, Chefarzt und Experte für Darm- und Enddarmchirurgie am Berliner Klinikum Waldfriede. Mit der Desert Flower Stiftung wurde hier jüngst ein Zentrum eingeweiht, das Frauen aufnimmt, die beschnitten sind und sich nun einem Eingriff unterziehen wollen. Europaweit ist es die einzige Anlaufstelle dieser Art.

»Wir sind auf das Schlimmste gefasst«, sagt Bernd Quoß, Geschäftsführer des Krankenhauses Waldfriede. Für die meist traumatisierten Frauen stehen Dolmetscher, Sozialarbeiter, Psychologen und Seelsorger bereit. Quoß setzt auf eine ganzheitliche Behandlung. Auch nach der Operation brauchten die Frauen Unterstützung.

Die Idee geht auf eine Begegnung mit der UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie zurück. Dirie, die ihre Erlebnisse im Buch »Wüstenblume« beschrieben hat, engagiert sich mit der Desert Flower Stiftung gegen weibliche Genitalverstümmelung. Einige Krankenkassen übernehmen die Behandlung für in Deutschland versicherte Frauen. Die Therapie für die, die aus dem Ausland anreisen, wird über Spenden finanziert. Ein Eingriff kostet bis zu 10 000 Euro.

Rakieta Poyga ist heute 53 Jahre alt. Bei der Geburt ihrer Tochter wäre sie fast verblutet. In ihrer Heimat Burkina Faso hat sie die Hilfsorganisation Bangr Nooma gegründet. Der Name bedeutet so viel wie »Es gibt nichts Besseres als Wissen«. Mit ihren Unterstützern zieht sie von Dorf zu Dorf. Doch oft ist der Widerst

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