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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

»Für mich ist das okay«

von Monika Herrmann vom 27.09.2013
Leben mit Behinderung: Konrad Hickel (31) fährt Rollstuhl, stellt Presseartikel ins Netz und engagierte sich im Wahlkampf

Vor der Bundestagswahl hatte ich viel zu tun: Da war ich aktiv im Wahlkampf und stand häufig mit meinem Rollstuhl auf der Straße, am Infostand der Grünen. Es war nicht so leicht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Viele haben da auch ihren ganzen Frust an uns, den Wahlkämpfern, abgelassen. Aber als Rollstuhlfahrer hatte ich dabei auch Vorteile: Mir werden schon eher mal die Flyer abgenommen. Und viele Leute haben mir ihre Hilfe angeboten.

Seit rund sieben Jahren bin ich politisch aktiv. Der Atomausstieg war und ist mir sehr wichtig. Dazu kommt mein Interesse für Stadtentwicklung und Verkehr. Ich interessiere mich für die Bundes-, aber auch für die lokale Landespolitik hier in Berlin. Und als Mensch mit Behinderung will ich mich natürlich auch für die Rechte von Behinderten einsetzen.

Geboren wurde ich mit Neurofibromatose, das ist eine Nervenerkrankung, die genetisch bedingt ist, aber nicht heilbar. Anfangs hatte diese Krankheit keine großen Auswirkungen auf meinen Alltag. Doch dann – das war vor elf Jahren – wurde meine Behinderung innerhalb kurzer Zeit ziemlich heftig. Meine Wirbelsäule knickte einfach ab, ich war querschnittsgelähmt und saß plötzlich im Rollstuhl. Damals war ich gerade in der Ausbildung zum System-Elektroniker, und mit dem Beruf war erst mal Schluss. Ich musste mich nach einer anderen Ausbildung umschauen, die ich trotz der Lähmung machen konnte. So bin ich Informatik-Kaufmann geworden, ein Beruf, der auch ein interessantes, breites Spektrum bietet.

Das hat mich dann davor bewahrt, an diesem Tiefpunkt dauerhaft abzugleiten. Ich wollte diese zweite Ausbildung unbedingt abschließen und war damit so sehr beschäftigt, dass mich das plötzliche Dasein im Rollstuhl zunächst gar nicht so beschäftigt hat. Meine Familie kam mit meiner Behinderung gut klar, und ich bekam die Hilfe, die ich brauchte. Erst nach und nach wurden mir die vielen Einschränkungen bewusst, die jeder Rollstuhlfahrer hat.

Und nach Ende der Ausbildung hatte ich erst mal gesundheitliche Probleme: Schrauben, die aus medizinischen Gründen in meiner Wirbelsäule steckten, hatten sich gelöst und bohrten sich durch die Haut. Ich musste operiert werden. Als ich aus dem Krankenhaus kam, stand fest, dass ich eine barrierefreie Wohnung brauche.

Hier im Berliner Johannesstift habe ich

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