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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Poetische Pionierin

von Eva-Maria Lerch vom 27.09.2013
Haifaa Al Mansur verbarg sich mit dem Walkie-Talkie im Auto. Und drehte so den ersten saudi-arabischen Kinofilm

Das Fahrrad ist grün und funkelnagelneu. Als die elfjährige Wadjda es erblickt, weiß sie sofort, dass dies ihr Fahrrad ist. Dass sie alles dafür geben wird, es zu besitzen, mit dem Nachbarjungen um die Wette zu fahren, den Wind in den Haaren zu spüren. Doch in Saudi-Arabien fahren Mädchen nicht Fahrrad, weil sie später Frauen werden und dann nicht mehr allein auf die Straße dürfen. Aber Wadjda lässt sich nicht entmutigen, sie bewirbt sich bei einem Koran-Wettbewerb, um das Preisgeld zu gewinnen und damit das Rad zu kaufen.

»Das Mädchen Wadjda« ist eine Sensation. Der allererste Kinofilm, der jemals in Saudi-Arabien entstanden ist, zeigt die erfindungsreiche Emanzipation eines Mädchens in einem Land, wo Frauen bis heute ihren Männern gehören und in ihren Häusern versteckt gehalten werden. Gedreht hat ihn ausgerechnet eine Frau: Haifaa Al Mansur. Die 39-jährige Regisseurin ist selbst in einer saudi-arabischen Großfamilie aufgewachsen, in einer Kleinstadt, als achtes von zwölf Kindern. »Das Fahrrad steht für Modernität, die Veränderung«, sagt Haifaa Al Mansur mit ihrer sanften, leicht rauen Stimme. »Während das Mädchen für mein Land und meine Heimatstadt steht, die Art, wie ich aufgewachsen bin, mit allen Traditionen.«

Öffentlich sind Kinos in Saudi-Arabien verboten. Mansur entdeckte ihre Liebe zum Film als Kind, als sie zusammen mit ihrem Vater Videos anschaute. »Ich begann, Filme zu machen, weil ich mich äußern wollte«, sagt sie. »Ich wollte gar nicht politisch oder die erste Regisseurin sein, sondern mich einfach selbst verwirklichen.« Unter den vorgegebenen Bedingungen war das jedoch äußerst schwierig: Weil sie als Frau nicht auf der Straße auftauchen und Anweisungen geben durfte, saß die Regisseurin versteckt in einem Lieferwagen, beobachtete die Szenen per Monitor und dirigierte ihre Leute über ein Walkie-Talkie: »Ich war wie gefangen in diesem Auto.«

Der Enge ihres Landes ist sie inzwischen entkommen. Haifaa Al Mansur trägt offen ihr langes dunkles Haar, spricht fließend Englisch, fliegt als Regisseurin um die Welt und kleidet sich am liebsten in Jeans und Turnschuhe. Sie lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in Bahrein, kommt aber fast jedes Wochenende nach Saudi-Arabien, um ihre alte Mutter zu besuchen.

Ihr Film sei nicht als als Anklage zu verstehen, erklärte sie im BBC-Interview. Er

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