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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

»Nur sehr dumme Menschen haben keine Angst«

von Gerhard Endres vom 27.09.2013
Was passiert, wenn eine Gesellschaft auf Egoismus setzt und gleichzeitig die Kontrolle verliert? Fragen an den Philosophen und Schriftsteller Johano Strasser

Sie behaupten, dass die Angst der Menschen zunimmt. Woher wissen Sie das eigentlich?

Johano Strasser: Es gibt Hinweise, die sorgfältig analysiert und abgewogen werden müssen. Der jährlich veröffentlichte Angstindex der R+V-Versicherung verzeichnet zum Beispiel für die Bundesrepublik in den letzten Jahren ein ständig steigendes Angstniveau. Der amerikanische Soziologe Barry Glassner hat in seinem Buch The Culture of Fear schon vor einigen Jahren dasselbe für die USA festgestellt. In allen westlichen Gesellschaften haben wir seit Längerem eine deutliche, statistisch gut belegte Zunahme der Angsterkrankungen, vor allem der Depression.

Kann das nicht einfach daran liegen, dass die Menschen früher nicht so offen über ihre Ängste sprachen?

Strasser: Das ist richtig und mag einen Teil der Zunahme an registrierten Angstphänomenen erklären. Andererseits kann man aber angstmachende Faktoren ausmachen, die mit der Entwicklung der modernen Gesellschaft zusammenhängen.

Welche sind das?

Strasser: Als mögliche Ursachen springen viele Faktoren ins Auge: Die rasante Beschleunigung der Innovationsprozesse und die ständig wachsenden Mobilitätsanforderungen führen dazu, dass wir uns immer wieder in einer veränderten Lebensumwelt zurechtfinden müssen. Dazu kommen die schnelle Entwertung erworbenen Wissens, die Auflösung vieler lebensleitender Institutionen sowie die seit Jahren anwachsende Ungleichheit und die zunehmende Statuskonkurrenz. Wichtig sind auch das Versagen der einst so leistungsfähigen Sicherheitsstrategien, besonders des Versicherungswesens, angesichts von Bedrohungen wie Terror, Erderwärmung, Verseuchung der Meere durch Tankerunfälle oder Atomkatastrophen wie die von Tschernobyl und Fukushima. Und nicht zu vergessen die traumatische Erfahrung der Verwundbarkeit moderner Gesellschaften, zum Beispiel durch die Anschläge vom 11. September 2001.

Zugleich sprechen ja alle immer häufiger von Sicherheit und geloben, alles dafür zu tun. Wächst die Angst trotz mehr Sicherheit?

Strasser: Immer mehr Sicherheit? Oder: Immer mehr Anstrengungen zur Schaffung von Sicherheit? Das ist ja nicht dasselbe.

Ist wachsende Angst bei gleichzeitigen Anstrengungen für mehr Sic

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