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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Altersheim mit Gittern?

von Knut Henkel vom 21.09.2012
Deutschlands Häftlinge werden älter, und darauf stellen sich immer mehr Vollzugsanstalten ein. In Detmold wird gerade die »Abteilung für Lebensältere« ausgebaut

Joachim Riedel schließt mit geübtem Griff die schwere Gittertür auf, geht grüßend am Kollegen Daniel Greve vorbei und steuert schnurstracks auf eine der matt dunkelblau lackierten Zellentüren zu. Ein energisches Klopfen erklingt, und gleich darauf öffnet Erhard Z. die Tür und gibt den Blick frei auf den Fernseher, der im Hintergrund läuft, und auf Jürgen K. Der hockt vor der Glotze und verpackt einen Satz Bohrer. Die beiden Männer sind die besten Kumpel, arbeiten oft auf der Zelle und verbringen auch ihre Freizeit in der Justizvollzugsanstalt Detmold gern zu zweit. Heute Abend steht zum Beispiel ein Kickerturnier an, wo sie gemeinsam an den Start gehen werden. Angesetzt ist das Ereignis, bei dem sich acht Gefangene und acht Beamte der Justizvollzugsanstalt gegenüberstehen werden, um den neuen, von einem Gönner gesponserten Luxuskicker der »Abteilung für lebensältere Gefangene« einzuweihen. Die spezielle Abteilung ist in einem Flügel der JVA untergebracht. »62 Jahre Plus X ist derzeit eines von mehreren Aufnahmekriterien«, erklärt Joachim Riedel und begleitet Erhard Z. und Jürgen K. ein Stockwerk tiefer. Dort befindet sich der Aufenthaltsbereich der Gefangenen im Seniorenalter, und dort stehen auch die beiden Kicker und der Billardtisch. Weiter hinten warten mehrere Sportgeräte auf die etwas älteren Herrschaften, die sich fit halten möchten, und im vorderen Bereich ist die geräumige Sitzecke mit Schachbrett und anderen Brettspielen zu sehen.

Obendrein gibt es eine nagelneue Küche, wo Häftlinge und Ehrenamtliche regelmäßig gemeinsam kochen. Für Erhard Z. ein ganz besonderes Vergnügen, denn der 66-jährige Mann mit dem buschigen Schnauzer und dem grau melierten Haarkranz ist gelernter Koch und bringt für sein Leben gern etwas Abwechslung in den Speiseplan in der Strafanstalt. Außerdem genießt der stämmige Mann, der wegen schwerer Körperverletzung sitzt, den Kontakt nach draußen. Den zu halten ist für die älteren Insassen des Gefängnisses alles andere als einfach. »Die Chance, ab und zu einen ungezwungenen Abend mit ehrenamtlichen Gästen zu verbringen, ist bei den allermeisten Insassen eine willkommene Abwechslung«, erklärt Jürgen K. Der groß gewachsene hagere Mann ist mit seinen 58 Jahren der Benjamin unter den »Opa-Gangstern«. So werden die derzeit 22 Insassen der Abteilung innerhalb der Vollzugsanstalt mit insgesamt 160 Plätzen auch genannt. Vollkommen neu ist das Konzept, das von den Verantwortlichen der relativ k

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