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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

»Alter Wein in neuen Schläuchen«

von Barbara Tambour vom 21.09.2012
Was tun gegen Armut im Alter? Fragen an den Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge

? Sie beschäftigen sich seit Langem mit dem Thema Armut. Sind Sie froh, dass CDU und SPD jetzt endlich Konzepte vorgelegt haben, um künftig Menschen mit sehr niedrigen Renten zu unterstützen?

! Froh bin ich, dass Frau von der Leyen mit den alarmierenden Zahlen über Renten im Jahr 2030 in die Öffentlichkeit gegangen ist. Jetzt können die Parteien das Problem nicht mehr totschweigen. Die Konzepte von CDU und SPD befriedigen mich aber nicht. Weder die Zuschussrente der CDU noch die Solidarrente der SPD kann das Problem der Altersarmut lösen.

? Warum nicht?

! Frau von der Leyens Zuschussrente erreicht nur eine kleine Gruppe von Geringverdienern, nicht aber Menschen, die oft oder lange arbeitslos waren. Selbst wer den vollen Rentenzuschusses kommt, hat am Schluss gerade mal 764 Euro übrig. Davon kann man in Deutschland nicht leben, ohne arm genannt zu werden.

? Neben der Aufstockung der Grundsicherung durch eine Solidarrente will die SPD die Arbeitgeber stärker einbinden und die betriebliche Altersvorsorge ausbauen. Das ist doch ein Fortschritt, oder?

! Nein, gar nicht. Das ist alter Wein in neuen Schläuchen. Der Fehler, der bei der Riester-Rente gemacht wurde, wird wiederholt. Die SPD setzt wieder auf eine kapitalgedeckte Altersversorgung. Doch wer die stärkt, schwächt automatisch die gesetzliche Rentenversicherung. Und er setzt die Renten dem Kapitalmarkt aus.

? Was ist daran so schlimm?

! Wie gefährlich es ist, Geld auf den Kapitalmärkten anzulegen, wissen wir spätestens seit der Finanzkrise. Das ist viel riskanter als eine Rentenversicherung im Umlageverfahren, bei der die jeweiligen Beitragszahler für die Renten aufkommen, die gerade ausgezahlt werden.

? Sie befürworten die solidarische Bürgerversicherung – alle zahlen von allem für alle. Woher soll das Geld kommen: aus Beiträgen oder aus Steuern?

! Ich möchte den Sozialversicherungsstaat mit Zähnen und Klauen verteidigen, stärken und ausbauen. Deshalb setze ich weiter auf die Finanzierung über Beiträge. Das Fundament der Versicherung wird dabei ge

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