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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Einfach machen

von Manuela Pfann vom 20.09.2011
Anders leben: Die 22-jährige Katharina Philipp ist Teil der Transition-Town-Bewegung, reist mit ihrer Pferdekutsche um den Bodensee und backt in ihrem mobilen Holzofen Pizza für alle

Heute Abend backen zwei Kutschfahrer für uns Pizza, kommt einfach vorbei!« Martina Dickhöfer lädt Freunde und Bekannte auf ihre Terrasse in Ochsenbach ein, einem kleinen Dorf im Landkreis Sigmaringen. Noch weiß Martina nichts Genaues über die Kutschfahrer; sie hat Katharina Philipp und Simon Kulow zufällig auf einem Hof getroffen, wo sie mit ihrer Kutsche Station machten.

Später am Abend, nach mehr als zwanzig selbstgebackenen Pizzen aus dem mobilen Holzofen, wird Martinas Mann Peter sagen: »Ich finde es großartig, wenn junge Leute nicht protestieren, sondern einfach etwas machen und schauen, was daraus wird.«

Einfach machen: Damit hat Peter die Kutscherin Katharina ganz richtig eingeschätzt. Die junge Frau aus dem Westerwald, gerade 22 Jahre alt, hat sich trotz eines Einser-Abiturs gegen ein Studium entschieden. »Das ist mir zu verkopft. Es gibt so vieles, das ich anders lernen und vor allem jetzt machen kann!« Zwanzig Monate lang hat sie beim internationalen Friedensdienst in Uganda mitangepackt und beim Aufforsten geholfen. Um die afrikanische Dorfjugend für das Projekt zu interessieren, hat sie ein Theaterstück zum Thema Aufforstung geschrieben. Genauso zupackend zeigt sie sich am Morgen nach der Pizza-Party bei Martina und Peter: Es ist Sonntag, kein Brot mehr im Haus, kein Bäcker in der Nähe und zehn Leute zu versorgen; da backt Katharina kurzerhand aus dem mitgebrachten Mehl in der fremden Küche einen Korb voll frischer Brötchen. Was sie antreibt? »Wenn ich so handle, dass ich meiner Verantwortung gerecht werde, werde ich lebendiger.«

Während Martina in Ochsenbach noch mit ihren Freunden telefoniert, bereiten Katharina und Simon 15 Kilometer entfernt auf dem Gelände der Rosenmühle im Landkreis Ravensburg die Fortsetzung ihrer Kutschtour vor. Es ist der kälteste Tag seit Beginn ihrer Aktion Ende Juli, es nieselt, die letzte von fünf Reisewochen liegt vor ihnen. Katharina holt ihre beiden italienischen Bergpferde Bea und Tina von einer nahegelegenen Wiese, striegelt sie, kratzt die Hufe aus und legt den beiden kräftigen braunen Stuten das Geschirr an. Ihr Kutschpartner Simon, 29, baut derweil den mobilen Steckzaun ab und packt ihn in den Anhänger der Kutsche. Schlafsäcke und Isomatten finden auch noch Platz. Nach vier Wochen auf Tour sitzt jeder Handgriff. Die beiden sind außerdem gut vorbereitet gestartet: Einen Kutschenführersch

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