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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

»Gott sind Nationalgrenzen egal«

von Anne Strotmann vom 06.09.2019
Weltversammlung der Religionen: Benediktiner Nikodemus Schnabel erklärt, warum der Faktor Religion für Politik wichtig ist

Publik-Forum: Pater Nikodemus Schnabel, Was ist Ihnen von der Weltversammlung besonders im Gedächtnis geblieben?

Pater Nikodemus Schnabel: Vor allem die jungen Leute. Mit der Deutsche-Welle-Akademie habe ich acht junge Religionsdelegierte aus aller Welt mit vier jungen Journalisten aus Deutschland zusammengebracht. Ich hatte die Idee, weil ich gemerkt habe, dass es meist ein Distanzverhältnis zwischen Religionen und Medien gibt und viele Journalisten in Sachen Religion wenig Gespür haben und wenig sprachfähig sind. Zusammen haben sie super Social-Media-Beiträge auf eigenen Kanälen gemacht.

Was waren die Themen der jungen Leute?

Schnabel: Sie haben gemerkt, dass ihre Sehnsüchte ähnlich sind und der Glaube eine große Energiequelle für ihr praktisches Engagement ist. Was ich nicht erwartet habe: Es gab bei den jungen Leuten durch alle Kulturen und Religionen hinweg einen Konsens zur Bewahrung der Schöpfung. Klima und Umwelt sind eben doch keine Themen wohlstandsverwöhnter Europäerinnen. Das interessierte die junge Katholikin aus dem Senegal genauso wie die Buddhistin aus Indonesien.

Sie beraten derzeit das Auswärtige Amt im Referat »Religion und Außenpolitik«, das an der Versammlung beteiligt war. Wozu?

Schnabel: Weltweit gehören 84 Prozent der Menschen einer Religion an. Diesen Faktor kann man nicht ignorieren. Deshalb muss Religion in allen gesellschaftlichen Fragen zu Wort kommen. Als Berater möchte ich dazu ermutigen, Religion nicht als Problem und auch nicht als Kirsche auf der Torte dieser Welt zu sehen, sondern als wesentlichen Teil des Tortenrezepts.

Wenn Religionen tatsächlich so friedlich sind, warum ist dann nicht längst Frieden?

Schnabel: An dem Konflikt zwischen Nord- und Südkorea sind nicht die Religionen schuld. Sie sind eher Brückenbauer. In Myanmar werden die Konflikte sakralisiert, das kennen wir aus Nordirland. Wenn Konflikte religiös aufgeladen werden, nach dem Motto »Gott will das«, dann nenne ich das Blasphemie. Ich glaube nicht, dass Gott sich für Nationalgrenzen interessiert. Religionen sind der beste Impfstoff gegen Nationalismus, weil sie alle Grenzen überschreiten. Klar gibt es auch den Hooliganismus der Religionen,

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